Themenmonat "20 Jahre nach dem Mauerfall"

Ein Themenfestival der Pasinger Fabrik und der Münchner Volkshochschule

Die Pasinger Fabrik plante im Herbst 2009 einen Themenscherpunkt zum zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls. Beteiligt waren die Bereiche Ausstellung sowie Theater, Film und Literatur des Hauses. Im Fokus des Themenmonats in Festivalform standen die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen zwanzig Jahre in ihren Auswirkungen auf das individuelle Leben und Erleben der deutsch-deutschen Vereinigung.

Themenmonat "20 Jahre nach dem Mauerfall"


Aktuelle Medienumfragen zeigten, dass die ehemals physische Trennung in den  Köpfen der Menschen noch nicht überwunden ist. Die west- bzw. ostdeutsche Abstammung und die damit in der Wahrnehmung der Menschen verbundenen  Unterschiede sind eine im persönlichen wie öffentlichen Bereich auch heute noch ständig präsente Frage. Gleichzeitig scheint das gegenseitige Verständnis gering und Ostdeutschland so fremd wie fern. Im Zentrum unseres kritischen Blickes zum  Jahrestag des Mauerfalls standen deshalb die viel zitierten Reste der „Mauer  in den Köpfen“. Das historische Ereignis und die nachfolgenden gesellschaftlichen Prozesse der Wende wurden jedoch nicht als weiteres  unangenehmes deutsches Thema sondern als spannender, herausfordernder Teil unserer Geschichte gesehen. Die Pasinger Fabrik gab mit ihren Veranstaltungen Anlass und Raum, wieder einmal miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Zentrum stand das Ziel, das Interesse aneinander zu erneuern, sowie Neugier auf den jeweils Anderen und das gegenseitige Verständnis zu pflegen. Ein offener Dialog als Weg des (Wieder-)Entdeckens bedeutete für uns  auch die Gelegenheit zum Stellen solcher Fragen, die man sich sonst nicht anzusprechen traut.
 
Wesentliches Kriterium der Programmgestaltung war es, dass sich unser Publikum aus München und dem Umland in Thema und Umsetzung persönlich wiederfinden konnte. Unser Programm setzte aus diesem Grund den historischen Jahrestag in engen Bezug zum individuellen Alltagserleben und  den heute bewegenden gesellschaftlichen Entwicklungen, zu den individuell beschäftigenden Fragen. Dies entspricht unserer Überzeugung, dass das  Thema nicht nur ein politisches, sondern vor allem zutiefst individuelles ist.
 
PROGRAMM
 
Einen Monat lang bestimmte der zwanzigste Jahrestag des Mauerfalls das Programm in der Pasinger Fabrik. Beginnend mit einer Auftaktveranstaltung und dem Programm des Theaters in der Kleinen Bühne ab Mitte Oktober wird das Thema während der fünf Wochen immer wieder neu von verschiedenen Seiten mit unterschiedlichen Mitteln und Medien beleuchtet. Ende Oktober setzt die Ausstellung in den Galerien und mit ihren Begleitveranstaltungen ein. Den Höhepunkt bildet ein Fest, eine Party zum Jahrestag. Das Festival schließt mit der Finissage und einem Rückblick auf die Veranstaltungen am 25. November.
 
Das Festival wurde mit einer Auftaktveranstaltung eröffnet, die gleichzeitig Informations-  wie Eventcharakter hatte. Die kommenden Veranstaltungen des Themenmonats wurden vorgestellt, gleichzeitig wurde mit thematisch  passender Musik u./o. Comedy, mit Bewirtung und Gesprächen unterhaltsam auf das Festival eingestimmt.

Veranstaltungen in der Kleinen Bühne und Wagenhalle
Der Bereich Theater konzentrierte sich auf Produktionen ostdeutscher Künstler und Ensembles. Es wurden einerseits Arbeiten gezeigt, die den Mauerfall oder die Wende selbst zum Thema haben: hier haben persönliche Erlebnisse wie Aspekte der Wendepsychologie, Identität und Fremdheit, Freiheit und  Restriktion, Klischees und Realitäten Ausdruck gefunden. Ein zweiter Fokus lag auf Arbeiten, die eine nur möglicherweise ganz eigene ostdeutsche Sicht auf  die allgemein-gesellschaftlichen, vor allem jedoch deutsch-deutschen Entwicklungen der vergangenen Jahre deutlich werden ließen.
 
So wurde unter anderem ein Projektkonzept zu einem autobiografischen Theaterstück erarbeitet, dass von jungen Schauspielern über ihr Erleben der Nachwendezeit erarbeitet wurde. Die Theater-Vorführungen gingen einher mit an die Vorstellungen anschließenden Gesprächsrunden, in denen die Verbindung des jeweiligen Stoffes zum Alltagserleben der Akteure und des Publikums beleuchtet werden.
Als ehemals wichtigste kritische Kunstformen der DDR und heute noch prägender Bestandteil nicht nur der ostdeutschen Bühnenkultur kamen das politische Kabarett sowie Singer/Songwriter der Liedermachertradition zu Wort.
 
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Bühnenprogramms waren Diskussionsabende, die zum Teil auf Basis einer kurzen Filmsequenz bzw. Lesung den Rahmen für die Auseinandersetzung mit ausgewählten Aspekten des Jahrestages gaben. Der Übergang von der Rückschau aus Anlass des Jahrestages und einer ost-westdeutschen aktuellen Zeitaufnahme zu gemeinsamen Zukunftsdiskussionen lag gerade in Anbetracht der aktuellen politischen Ereignisse nahe und war nicht nur erwünscht, sondern wichtiges Ziel der Veranstaltungen.
Zudem hat eine eigene Filmreihe mit der Öffentlichkeit weniger bekannten Dokumentarfilmen die Wende und vor allem die anschließende Entwicklung beleuchtet.
 
In der Ausstellung "1989-2009:  Im  Zeichen  der  Wende.  Zeitgenössische  Positionen  und  historische Dokumente zur „Deutschen Wende“ und deren Folgen" zeigte die Pasinger Fabrik zeitgenössische Positionen von zwölf Künstlern aus München und Berlin in Kombination mit historischen Dokumenten, Fotos sowie Filmen.
 
Bei aller Zukunftsgerichtetheit: da sind die vielen kleinen persönlichen nostalgischen Erinnerungen, die man liebgewonnen hat. Ein Blick in die Vergangenheit sollte deshalb auch erlaubt sein. So  feierte die  Jahrestags-Party mit  einem Augenzwinkern und allerhand Anleihen an die ehemals getrennte ost- wie westdeutsche Alltagskultur das Heute und Jetzt.
Seinen Abschluss fand das Festival gleichzeitig mit der Finissage der Ausstellung. Ein Moderator reflektiert den Themenmonat und hielt Höhepunkte fest.
 
 

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Partner:
 

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