20 Jahre Deutsche Einheit

Joachim Gauck als Gast der Konrad-Adenauer-Stiftung in Wunstorf

Dr. h.c. Joachim Gauck referierte im Rahmen der Rednertour der Konrad-Adenauer-Stiftung „20 Jahre Deutsche Einheit“ im mit 500 Zuhörern voll besetzten Wunstorfer Stadttheater. Der ehemalige Pastor und Bürgerrechtler sprach über den Unrechtsstaat DDR und den Prozess der Wiedervereinigung. Seinen Vortrag untermalte Gauck mit humorvollen Anekdoten aus seinem Leben.

20 Jahre Deutsche Einheit

Joachim Gauck als Gast der Konrad-Adenauer-Stiftung Hannover



Nach der Begrüßung durch den Wunstorfer Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt und einer Einführung durch Dr. Klaus Jochen Arnold von der Konrad-Adenauer-Stiftung begann Joachim Gauck seinen Vortrag über den Unrechtsstaat DDR und den Prozess der Wiedervereinigung.

Zu Beginn seines Vortrags sprach der ehemalige Beauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR über den Prozess der Wiedervereinigung. In diesem Zusammenhang sprach Gauck über die Wiedervereinigung, die er als „unglaublichen Integrationsprozess“ bezeichnete. An viele Neuerungen hätten sich die Ostdeutschen erst gewöhnen müssen, sei es an eine freie Medienwelt oder an freie Gewerkschaften. Gauck sprach hierzu auch die Bemühungen des Westens an und fragte, „wo wir ohne die Hilfe des Westens wären?“. Neben dem bisher Erreichten erinnerte Gauck jedoch auch an die noch immer bestehenden Unterschiede zwischen Ost und West, beispielsweise in dem Einkommensniveau.

Anschließend äußerte sich Gauck zu dem alltäglichen Leben in der DDR und erklärte, warum nur wenige DDR-Bürger aktiv gegen den Unrechtsstaat vorgegangen seien. So merkte Gauck an, dass sich die Bürger der DDR über Jahrzehnte an Gehorsam und Ohnmacht gewöhnt hätten. Außerdem sei es in einem solchen System einfacher, sich möglichst konform zu verhalten. In diesem Zusammenhang sprach Gauck von einer „Vernunft des Mitmachens“ und von dem „Weg des geringsten Widerstandes“. Außerdem verwies Gauck auf ähnliches Verhalten von Bevölkerungen in anderen Diktaturen. Als Beispiel führte Gauck die Diktatur der Nationalsozialisten an. Er appellierte an das Verständnis der Zuhörer, indem er diese fragte, wie sie sich denn in einer solchen Situation verhalten hätten.

Die Aufarbeitung der DDR ist laut Gauck noch nicht abgeschlossen. So merkte er an, dass viele Ostdeutsche noch „fremdeln“ würden. Ein typisches Phänomen hierfür sei es, dass sich die Menschen nach dem Motto „Es war nicht alles schlecht“ lieber an die für sie positiven Dinge erinnern als an schlechte. Auch hier verwies Gauck auf die ähnlichen Erfahrungen nach der Zeit des Nationalsozialismus.

Darauffolgend äußerte sich der ehemalige Pastor und Bürgerrechtler zu dem Schicksal seiner Familie in dem Unrechtsstaat DDR. So berichtete Gauck von seinem Vater, welcher wegen angeblicher Spionage und antisowjetischer Hetze in ein sibirisches Arbeitslager gebracht wurde und erst 1955 zurückkehrte. Des Weiteren berichtete Gauck über berufliche Probleme seines Bruders, da dieser nicht Mitglied der SED war.

Gauck empfindet Stolz und Dankbarkeit. Die Freiheitsrevolution gab Deutschland ein neues Gesicht. Die Geschichte Deutschlands sei nun nicht mehr eine bloße Schuldgeschichte. Die Deutschen hätten jetzt wieder ein Ereignis, auf das sie stolz sein könnten.

Gegen Ende seines Vortrages appellierte Gauck an die Zuhörer, wählen zu gehen und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Denn er selbst habe 50 Jahre auf seine erste richtige Wahl warten müssen. Gauck erinnerte sich, wie er, nachdem er das erste Mal gewählt hatte, vor Freude „Tränen in den Augen“ gehabt habe. Mit dem prägnanten Satz „Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung“ schloss der Redner Gauck seinen Vortrag und nahm das Publikum somit in die Pflicht, sich aktiv in der Gesellschaft und für die Demokratie einzusetzen.

Im Anschluss trug sich Dr. Joachim Gauck in das Goldene Buch der Stadt Wunstorf ein und signierte noch zahlreiche Exemplare seines Buches „Winter im Sommer – Frühling im Herbst: Erinnerungen“.

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