Mythos 1989

1989 ist ein Mythos. Das behauptet Martin Jankowski in seinem Aufsatz "Mythos 1989. Öffentliches Erinnern an die Europäische Revolution von 1989", der in Deutschland-Archiv 2/2010 erschien.

Mythos 1989


Im Frühjahr 1989 begann mit der Regierungsbeteiligung der Solidarnosç in Polen ein politischer Umbruch, der sich über Ungarn fortsetzte und im August die DDR erreichte. Die Legitimität der Alleinherrschaft sozialistischer und kommunistischer Parteien wurde offen angezweifelt: Die Bevölkerung Osteuropas, gefangen in der sowjetischen Sackgasse, stellte die Machtfrage. Die Tschechoslowakei folgte im Spätherbst, doch bevor der Umsturz 1989 auch die Straßen Rumäniens, Bulgariens sowie des Baltikums oder Albaniens endgültig erfasste, erreichte er am 9. November – Westeuropa. Die Revolution wurde zu einem gesamteuropäischen Prozess und veränderte Ost wie West so umfassend, wie kein anderes Ereignis seither. Viele Jahre war Europa damit beschäftigt, die Folgen dieses Umsturzes zu bewältigen.
Im Großen wie im Kleinen sortierte man die eigene Existenz und das Zusammenleben neu. Michail Gorbatschows Traum vom »Gemeinsamen Haus Europa« wurde wahr, allerdings unter gänzlich anderen Voraussetzungen und ohne die Russen. 20 Jahre später scheint der Abstand groß genug zu sein, um zurückzuschauen und sich gemeinsam einen Überblick zu verschaffen über das komplexe Geschehen von damals. Erinnern ist Trumpf zum 20. Jahrestag.
Und alle Welt ist dabei, wie im Herbst 2009 die Flut an Veranstaltungen und Veröffentlichungen rund um den Globus zeigte. 1989 ist ein Mythos.

 

Anmerkung der Redaktion:

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der im Deutschlandarchiv vollständig erschienene Artikel "Mythos 1989" eine Falschaussage enthält.

Nach Informationen von Dr. Lorenz Kähler, ist die Behauptung, dass Professor C. Kähler, "etliche Friedensgebetsaktivsten"  vom Theologischen Seminar Leipzig exmatrikuliert hätte, nicht korrekt. Demnach war Herr Prof. C. Kähler für die Exmatrikulation nicht verantwortlich. Er verweist dabei auf folgende Quellen:
 
"1) die von Christian Dietrich und Uwe Schwabe erstellte Chronik des Archivs Bürgerbewegung Leipzig e.V.: "1. November: Thomas Rudolph und Jochen Lässig lassen sich am Theologischen Seminar exmatrikulieren, um sich völlig ihrer politischen Arbeit widmen zu können.""

"2) Jochen Lässig, in: Findeis/Pollack/Schilling, Die Entzauberung des Politischen, Berlin 1994, S. 127 samt abgestimmtem Einlageblatt, Zeile 11-14: "Richtigzustellen ist gegenüber dem Text, dass ich mich 1988 freiwillig exmatrikulieren ließ, nachdem mir eine halbjährliche Beurlaubung vom Studium nicht gewährt worden war.""

 
Den vollständigen Artikel von Martin Jankowski können Sie hier als pdf nachlesen. Die Gegendarstellung des Deutschlandarchiv finden Sie hier.

Für weitere Informationen siehe auch www.wbv.de/deutschlandarchiv

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Kommentare

Martin Jankowski    (31.10.2010 17:58h)
Zu den hier bestrittenen Tatsachen schreibt u.a. auch Peter Wensierski im SPIEGEL 43/2009 Aufschlussreiches unter der Überschrift "Handeln statt besten" (siehe: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67398817.html).

Martin Jankowski    (21.09.2010 23:14h)
Hierzu stelle ich fest: Mein Text enthält keine Falschaussage. Die Redaktion irrt.
Martin Jankowski

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