Unter Druck

Die Zeitungen der Friedlichen Revolution - Aufatmen nach der Zensur

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Die Wanderausstellung "Unter Druck - Die Zeitungen der Friedlichen Revolution- Aufatmen nach Jahrzehnten andauernder Pressezensur" des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau wurde am 03.11.2009 um 18.00 Uhr durch den Landtagspräsidenten Dr. Mattthias Rößler im Sächsischen Landtag eröffnet. Die Ausstellung konnte dort bis zum 16.12.2009 besichtigt werden.

Auf 22 Rollwänden behandelt die Exposition in einem Vorspann die Geschichte der Presse und den Kampf um Pressefreiheit.

Schwerpunktmäßig werden die Zensurgeschichte, einschließlich der "Schere im Kopf", die Behinderung der Kirchenzeitungen und das Samisdat in der DDR dokumentiert sowie die Entstehung der parteiunabhängigen Zeitungen im Verlauf der Friedlichen Revolution und in den Monaten der Demokratisierung 1990.

Im Schlussteil werden das Ost-West-Leserverhalten sowie Chancen, Grenzen und Gefahren von Pressefreiheit in der Gegenwart kritisch beleuchtet.

Das Projekt wurde gefördert von der Bundesstiftung Aufarbeitung, von der Sächsischen Staatsregierung, der Stadt Werdau und dem Sächsischen Landesbeauftragten.

Der Ruf nach Pressefreiheit und SED-unabhängigen Zeitungen nach jahrzehntelanger Gleichschaltung und verfassungswidriger Zensur gehörte im Herbst der Friedlichen Revolution 1989 zu den ersten Forderungen in den politischen Friedensgebeten, während der Demonstrationen und an den Runden Tischen in der DDR.

Pressefreiheit als wesentlicher Bestandteil öffentlicher Meinungsfreiheit und Meinungsbildung ist seit Erscheinen der ersten Zeitung 1605 in einem Jahrhunderte währenden Prozess gewachsen und erstritten worden. In Deutschland erlitt dieses elementare Recht während des Nationalsozialismus und anschließend im östlichen Teil unter der „führenden Rolle“ der SED schwere Rückschläge.

Unter den Schwerpunkten „Zensur in der DDR“ und „Die Zeitungen der Friedlichen Revolution“ ist in professioneller Form eine Wanderausstellung im Kontext zu Historie und Gegenwart entstanden.

Überregionale Bedeutung erlangte das Vorhaben durch die Behandlung der DDR-weiten Problematik von Pressezensur, Protesten dagegen, die besondere Rolle der Kirchenzeitungen und die Verbreitung von Samisdat-Erzeugnissen über lokale und regionale Räume hinaus.

Im Blick auf die Wende zur Gewaltfreiheit (Plauen-Dresden-Leipzig) spielte Sachsen im Verlauf der Friedlichen Revolution eine Vorreiterrolle. Unser Freistaat kann auch den Anspruch erheben, dass die Bürgerbewegung in Sachsen im Verlauf der Friedlichen Revolution aus den Friedensgebeten, Demonstrationen und Runden Tischen heraus mit Forderungen nach SED-unabhängigen Zeitungen auch im Blick auf Pressefreiheit nach Jahrzehnten Zensur der Metropole Berlin voraus war. Hier wurden parteiunabhängige Periodika z.B. schon vor der ersten zentralen Berliner Wende-Zeitung "Die Andere" initiiert und auf den Weg gebracht. So gab es als Zeitungs-Vorläufer bereits Ende 1989 das „Meeraner Blatt“ und als erste SED-unabhängige DDR-Zeitung in Sachsen ab 5. Januar 1990 das „Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt“.

Die beiden Schwerpunkte der Exposition von Inhalt und Umfang her gesehen sind die Auseinandersetzungen um Zensur und Pressefreiheit in SBZ und DDR sowie die Zeitungs-Neugründungen aus der Zeit der Friedlichen Revolution und der Nachwendezeit. Unerlässlich war es dabei, den chronologischen und inhaltlichen Kontext von Zensur und Pressefreiheit aus der Zeit bis 1945 und ab 1990 mit einzubinden, damit das Thema nicht im „luftleeren Raum“ hängt und sowohl historischen als auch Gegenwartsbezug erhält. Letzteres ist vor allem erforderlich, um auch die junge Generation anzusprechen, zum Vergleich herauszufordern, zu Zivilcourage, kritischer Meinungsäußerung zu ermutigen, um Bürgergesellschaft zu fördern.

Die Wanderausstellung ist beim Martin-Luther-King-Zentrum Werdau ausleibar. Kontakt über www.martin-luther-king-zentrum.de.

 

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Partner:
 

Bundesstiftung AufarbeitungDie Bundesbeauftragte für die Unterlagen deStaatssicherheitsdienstes der ehemaligen DeutschenDemokratischen RepublikFreistaat Sachsen

 

Weitere Kooperationen:
 

Zentrum für zeithistorische Forschung PotsdamHumanities, Sozial- und Kulturgeschichte