Dossier: Zwischen Machtstrategie und Kompromissbereitschaft

Zwischen Machtstrategie und Kompromissbereitschaft

Aufruf an die Alliierten © BArch Plak 005-046-021, 1949/66

Unabhängig vom Willen der deutschen Regierungen hängt die Entscheidung über die Wiedervereinigung maßgeblich von den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges ab. In ihrem Einverständnis spiegelt sich die veränderte weltpolitische Lage am Ende des Ost-West-Konfliktes.

Das Ende der Nachkriegsära

Die letzte Runde der Zwei-plus-Vier-Gespräche in Moskau

Zwei-plus-Vier unterzeichnen in Moskau

Am 12. September 1990 findet das letzte Außenministertreffen der Zwei-plus-Vier in Moskau statt, das noch am selben Tag zur Unterzeichnung des "Vertrages über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland" (Zwei-plus-Vier-Vertrag) führt. Der Vertrag, der "anstatt eines Friedensvertrages" geschlossen wird, regelt in zehn Artikeln einvernehmlich die außenpolitischen Aspekte wie auch sicherheitspolitischen Bedingungen der deutschen Vereinigung. Gleichzeitig bedeutet er den Verzicht der vier Siegermächte im Zweiten Weltkrieg auf ihre Vorbehaltsrechte gegenüber Deutschland und ist die Voraussetzung einer vollständigen deutschen Souveränität. mehr

Der Gipfel im Kaukasus

Am 16. Juli 1990 zogen Kohl und Gorbatschow Pullover und Strickjacke an

Kohl und Gorbatschow im Kaukasus

Die grundsätzliche sowjetische Zustimmung zur deutschen Einheit im Februar 1990 hat der Wiedervereinigung weitgehend den Weg geebnet. Doch was ist mit der Zugehörigkeit Gesamtdeutschlands zur NATO und der uneingeschränkten Souveränität des neu entstehenden Staates? Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ist der Kaukasus-Gipfel als jener Tag in Erinnerung geblieben, an dem die deutsche Einheit und die Zukunft Europas von zwei Männern in Freizeitkleidung entschieden wird. Am 16. Juli 1990 treffen sich Bundeskanzler Kohl und der sowjetische Präsident Gorbatschow im Kaukasus zu einem Gespräch in entspannter Atmosphäre... mehr

Der Stratege

Horst Teltschik im Gespräch über Revolution und Einheit (Teil 1)

Horst Teltschik

Helmut Kohls außenpolitischer Berater Horst Teltschik zählt zu den Architekten der Einheit. In den Jahren 1989/90 war er an den entscheidenden Verhandlungen u.a. mit George Bush und vor allem Michail Gorbatschow beteiligt. Im ersten Teil des Interviews spricht er über das Tempo des Umbruchs, über die Sorgen vor einer Eskalation der Gewalt und die Bedeutung Gorbatschows für die friedlichen Revolutionen von 1989. mehr

Die militärische Frage

Am 31. Mai 1990 stimmt Gorbatschow der freien Bündniswahl eines vereinten Deutschlands zu

US Armee © The U.S. Army / flickr

Der strittigste Punkt in der Deutschen Frage im Mai 1990 ist die Frage der Bündniszugehörigkeit des vereinten Deutschlands. Noch am 25. Mai erklärt der sowjetische Außenminister Schewardnadse in der Welt am Sonntag, die Sowjetunion sei gegen eine gesamtdeutsche NATO-Mitgliedschaft. Genau das ist jedoch die Position der westlichen Alliierten, insbesondere die von George Bush. Für den amerikanischen Präsidenten ist die deutsche Einheit erstrebenswert, aber nur dann, wenn das vereinte Deutschland zur NATO gehöre. Die Fronten scheinen damit im Mai 1990 verhärtet. Doch am 31. Mai 1990 treffen Bush und Gorbatschow in Washington zusammen. Überraschend gelingt ein Durchbruch in der strittigen Bündnisfrage. mehr

"Der Wunsch nach Wiedervereinigung ist legitim"

Frankreich und die deutsche Einheit

© BArch 145-F076604-0021

Der Wiedervereinigungsprozess stellte die Verlässlichkeit der deutsch-französischen Beziehungen auf die Probe. Er markierte das Ende der bisherigen französischen Deutschlandpolitik und veränderte die Rahmenbedingungen der politischen Zusammenarbeit fundamental. Die weit verbreitete Annahme, dass Frankreich der Wiedervereinigung zumindest skeptisch gegenüberstand, ist jedoch falsch. Frankreich war, im Gegenteil, einer der Impulsgeber im Wiedervereinigungsprozess. mehr

Bushs Triumph

Die USA und die deutsche Einheit

Die Bedingungen der Einheit in Verhandlung

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt die deutsche Frage zwischen den Fronten des Kalten Krieges jahrzehntelang als mehr oder weniger unantastbar. Erst mit dem Fall der Mauer wurde die deutsche Frage auf der politischen Agenda wieder aktuell und eröffnete nicht nur der deutschen Bevölkerung sondern auch den USA eine einmalige historische Möglichkeit. Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten nach ihren Bedingungen entschieden die USA die letzte und wichtigste Etappe im Wettlauf um den Sieg im Kalten Krieg. mehr

Wille zur Verständigung

Die erste Runde der Zwei-plus-Vier-Gespräche am 5. Mai 1990

© BArchiv 183-1990-0622-043

1990 ist ein Jahr diplomatischer Erfolge. Die Zwei-plus-Vier-Gespräche, aus denen der Souveränitätsvertrag hervorgeht, gelten als ein Meisterstück der internationalen Diplomatie. Politische Streitigkeiten und divergierende Interessen, die eine ganze Epoche geprägt haben, werden innerhalb kürzester Zeit beigelegt. Das erste Zwei-plus-Vier-Gespräch findet am 5. Mai 1990 in Bonn statt. mehr

"We should be nice to the Germans."

Die Europäische Gemeinschaft und die deutsche Vereinigung

"We should be nice to the Germans."

Die Verknüpfung von deutscher Einheit und europäischer Integration, wie sie am 28. April 1990 auf dem Dubliner EG-Gipfel begonnen wurde, war ein weiterer Schritt zur Wiedervereinigung und formulierte noch vor dem Beginn der "Zwei-plus-Vier-Gespräche" die wirtschaftlichen Kriterien für die EG-Mitgliedschaft des vereinten Deutschland. mehr

Ein Reich zerfällt

Die Sowjetunion und die deutsche Einheit

Ein Reich zerfällt

Die deutsche Einheit war das Ergebnis eines langwierigen historischen Prozesses. Sie ist weder allein auf das Wirken Helmut Kohls, noch auf die vielen anderen sogenannten "Architekten der Einheit" zurückzuführen. Weder die Friedliche Revolution auf der Straße, noch die Fluchtbewegung, der Mauerfall oder der Wahlsieg der Allianz für Deutschland können hinreichend erklären, warum 1990 die Wiedervereinigung gelang. Die entscheidende historische Schlüsselfrage bleibt: Warum hat die Sowjetunion das von ihr selbst geschaffene Konstrukt namens DDR ebenso wie die Nachkriegsordnung des Kalten Kriegs aufgegeben? mehr

Gorbatschow und die Pragmatiker

György Dalos über Reformkommunisten und Revolutionäre

Gorbatschow und die Pragmatiker

Heute bekommt György Dalos den Leipziger Buchpreis verliehen. Anlässlich der Preisverleihung veröffentlichen wir noch einmal unser Interview mit dem Schriftsteller und Historiker. mehr

Deutsch-amerikanische Freundschaftspflege

Am 24. und 25. Februar 1990 trifft sich Helmut Kohl mit George Bush im Camp David.

Herzliches Familientreffen?

Die deutsche Einheit ist 1990 nicht allein abhängig vom Willen der deutschen Bevölkerung. Sie ist vor allem auch eine komplizierte diplomatische Angelegenheit, bei der die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ein entscheidendes Wort mitzureden haben. Die USA und ihr Präsident George Bush sind der wichtigste Verbündete von Bundeskanzler Helmut Kohl. Auch von der Haltung des amerikanischen Präsidenten hängt ab, ob die deutsche Einheit glücken kann. Kohl trifft ihn Ende Februar in Camp David. mehr

Grünes Licht vom Roten Platz

Am 10. Februar 1990 stimmt Michail Gorbatschow der Wiedervereinigung zu

© Bundesregierung Bild B 145 Bild-00002207

Mit seinem Zehn-Punkte-Plan hat Helmut Kohl für Verstimmung in Moskau gesorgt. Gegen den Willen der Sowjetunion aber kann es keine Vereinigung der beiden deutschen Staaten geben. Bis Anfang 1990 herrscht frostige Funkstille zwischen Bonn und Moskau. Doch dann stimmt Michail Gorbatschow doch noch einer deutschen Wiedervereinigung zu. Im Februar 1990 ist damit die größte Hürde auf dem Weg zur Einheit aus dem Weg geräumt worden. mehr

Erinnerung an alte Zeiten

Am 11. Dezember 1989 sitzen die einstigen vier Siegermächte erstmals wieder an einem Tisch

Das letzte Treffen vor der Funkstille, 1972

Das von Gorbatschow initiierte Treffen der Vier Mächte am 11. Dezember 1989 im Gebäude des Berliner Kontrollrates sollte eigentlich der öffentlichen Demonstration des alliierten Machtanspruchs dienen und dem Wunsch nach deutscher Selbstbestimmung Einhalt gebieten. Der Widerstand der USA und Proteste seitens der Bundesrepublik vereiteln die gewünschte Symbolik und lassen die Initiative ins Leere laufen. mehr

Ein wiedervereinigtes Deutschland ist "nicht schädlich"

Präsident George Bush äußert sich öffentlich über die Frage der deutschen Wiedervereinigung

Bush und Kohl im Mai 1989

Als Folge des Zweiten Weltkrieges ist die Wiedervereinigung Deutschlands ein heikles Thema in Ost und West. Mit der Massenflucht von DDR-Bürgern über die ungarisch-österreichische Grenze kommt jedoch plötzlich Bewegung in die deutsche Frage. Am 18. September 1989 spricht George Bush öffentlich über die Wiedervereinigung. mehr

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"Wir waren auf jeden Fall ...mehr

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