Dossier: Von der Planwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft

Von der Planwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft

Foto © philflieger/flickr

Die ökonomische Situation Ende 1989 Anfang 1990 stellte die DDR-Regierung unter enormen Handlungsdruck. Die DDR stand kurz vor dem Bankrott, ohne Alternative blieb eine Unterstützung aus dem Westen mit nachfolgender Angleichung an das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik – die soziale Marktwirtschaft.

Der Tod des Treuhand-Herkules

Treuhand-Präsident Rohwedder wagt sich an die Aufgabe seines Lebens

Der Tod des Treuhand-Herkules

Detlev Rohwedder ist eine schillernde Figur der jüngsten deutschen Geschichte. Und eine durchaus tragische. Den einen gilt er als postnationaler Held, als das einzige Todesopfer der Einheit. Für die anderen ist er der Sensenmann der Ostwirtschaft, ein kaltherziger Westmanager im feinen Zwirn. Bei seinen öffentlichen Auftritten nimmt Rohwedder kein Blatt vor den Mund. Er wählt starke Worte, wirbt aber auch stets um Ausgleich zwischen Ost und West. Rohwedder teilt aus, muss aber zunehmend auch einstecken: Im Sommer 1990 ist er der Hoffnungsträger der Deutschen, wenige Monate später ist er vor allem den Neubundesbürgern regelrecht verhasst, fühlt sich als großer "Buhmann". Heute ist der zweite Treuhandpräsident fast in Vergessenheit geraten – zu Unrecht, denn in seinem Leben laufen verschiedenste Stränge der jüngsten deutsch-deutschen Zeitgeschichte zusammen. mehr

Gerechtigkeit in die eigenen Hände nehmen

In Folge der Friedlichen Revolution entstanden in der DDR demokratische Arbeitnehmervertretungen

Manfred Heger im Gespräch

Im ehemaligen Ernst-Thälmann-Haus saß bis 1989/90 die Leipziger Bezirksverwaltung der DDR-Staatsgewerkschaft FDGB. Frei war der "Freie Deutsche Gewerkschaftsbund" jedoch nur dem Namen nach. Dort, wo heute der DGB seine Räume hat, trafen wir Manfred Heger, der 1990 in Leipzig am Aufbau einer unabhängigen Gewerkschaftsbewegung beteiligt war. Bis heute engagiert Heger sich gegen Sozialabbau und für Arbeitsplatzsicherheit. Die Ideale von 1989/90 sind für den streitbaren Leipziger immer noch aktuell. mehr

Tanztee mit Che

Das Leipziger Ringcafé versucht, an alten Glanz anzuknüpfen

Neuer Glanz am alten Ort: Das Leipziger Ringcafé

Mitte der 1950er Jahre eröffnet war das Leipziger Ringcafé eines der größten und exklusivsten Tanzcafés der DDR. Hans-Dietrich Genscher und Che Guevara sollen sich hier bei ihren DDR-Besuchen entspannt haben. Nach der Wiedervereinigung blieb das Publikum aus. Nun, 20 Jahre später, ist neues Leben in die prunkvoll-vergilbten Räume eingezogen. Noch immer fasziniert die unnachahmliche Symbiose aus sozialistischen Wohlstandsvisionen und bürgerlichen Träumen vom "Wahren, Guten und Schönen", die mit dem Ringcafé ihre bauliche Gestalt gefunden hat. Wir sprachen mit der Betreiberin des Cafés, Birgit Heßler, und mit Helmut Hengstler, der das Haus bis 1990 leitete, über alten Glanz und neue Ideen für einen besonderen Ort. mehr

Postindustrielle Landschaften

1989 brachte Ostdeutschland auch eine ökologische Wende

Besucherbergwerk F60 Lichterfeld

Dass 1989/90 auch eine ökologische Wende mit sich brachte, wird vielfach übersehen. Dabei war der Kampf gegen die umweltzerstörende Wirtschafts- und Energiepolitik der Staats- und Parteiführung eine der wesentlichen Antriebskräfte für die Bürgerrechtler und Demonstranten des Herbstes 1989. Ganz im Geiste der Friedensbewegung, die auch eine Umweltbewegung gewesen war, sprach Abrüstungs- und Verteidigungsminister Rainer Eppelmann im Sommer 1990 von einer "Wirtschafts-, Währungs-, Sozial- und Ökologieunion", die beide Teile Deutschlands zusammenführen sollte. Tatsächlich entstanden nach 1990 im Osten blühende Landschaften – wenn auch nicht in der von Helmut Kohl gemeinten Bedeutung. mehr

Die aktuelle Presseschau

Stasi-Spitzel, Rentenkürzung, SED-Sprache: Die letzten zwei Wochen im Spiegel der Presse

Zeitungen

Aus der Presselandschaft der vergangenen Tage lassen sich vor allem zwei Themen herauskristallisieren: die Stasi und der Umgang mit der SED-Vergangenheit. Während unter den ehemaligen DDR-Funktionären der Unmut über die Kürzung ihrer Renten wächst, erklärte der letzte Innenminister der DDR, dass sogar der Runde Tisch von Stasi-Mitarbeitern durchsetzt war. Unterdessen hat die Bundesregierung beschlossen, öffentlich Bedienstete bis 2019 auf ihre mögliche Stasi-Vergangenheit zu prüfen, und die "Welt" philosophiert über die Parallelen zwischen der Sprache der SED und der Sprache der Nationalsozialisten. mehr

Made in Sachsen

Wie sich die sächsische Wirtschaft wandelte. Ein Interview mit Rainer Karlsch

Rainer Karlsch

Rainer Karlsch ist Historiker und hat sich mit der Wirtschaftsgeschichte Sachsens beschäftigt. Wir sprachen mit ihm über den tiefgreifenden Transformationsprozess, den die DDR-Bezirke auf dem Gebiet des späteren Freistaates und dieser selbst nach 1989/90 durchlebten und zuweilen durchlitten. mehr

"Die Eroberung des Ostens durch den Westen"

Montagsradio Nr. 40 – eine Straßenumfrage zur Währungsunion 1990

Montagsradio, Nr.40

Am 1. Juli 1990 trat zwischen der noch existierenden DDR und der Bundesrepublik Deutschland die Währungsunion in Kraft – die weiche Ostmark wurde durch die harte D-Mark ersetzt. RevolutionundEinheit.de hat sich auf den Straßen Berlins umgehört, was die Menschen 20 Jahre danach mit diesem besonderen Ereignis verbinden. mehr

Intermezzo mit Notbremse

Bundesbahnchef Reiner Maria Gohlke wird erster Präsident der Treuhandanstalt

R. Gohlke noch als Vorstandsvorsitzender der Bahn

Im Juni 1990 läuft in Ostberlin und Bonn die hektische Suche nach einem neuen Chef für die Treuhandanstalt. Die Stellenbeschreibung für den künftigen Präsidenten ist nach dem Treuhand-Gesetz eindeutig: Die Privatisierung einer ganzen Volkswirtschaft. Nach einigem Hin und Her wird Bundesbahnchef Reiner Maria Gohlke zum ersten Präsidenten der Treuhandanstalt bestellt. Gohlke reist nach Ostberlin – und ist von den Dimensionen seiner künftigen Aufgabe überrascht. mehr

Der DM-Schock

Die Einführung der D-Mark erschüttert die marode DDR-Wirtschaft

© Auchwaswisser

1. Juli 1990. Mit der Einführung der D-Mark in der DDR, dem Wegfall der Kontrollen an den innerdeutschen Grenzen und den Notaufnahmeverfahren für Übersiedler erfolgen entscheidende Schritte zur staatlichen Einheit. Um Mitternacht tritt die Wirtschaft- und Währungsunion in Kraft, die für die DDR, neben dem aus für die Ost-Mark, auch den endgültigen Abschied von der Planwirtschaft bedeutet. Doch die Öffnung der DDR-Wirtschaft zum Weltmarkt führt binnen kürzester Zeit zu ihrem Zusammenbruch. mehr

"Das volkseigene Vermögen ist zu privatisieren."

Am 17. Juni 1990 beschließt die Volkskammer das Treuhandgesetz

Schön mit Chemie

Die Zeit drängt, daher müssen die Parlamentarier sehr kurzfristig entscheiden. Die Lage der gesamten Volkswirtschaft und vor allem ihrer großen Betriebe ist über die Maßen unsicher, auch die mittelfristigen Konsequenzen des von der Koalition eingebrachten Treuhandgesetzes liegen im Dunkeln. Auf allen Beteiligten lastet das ungute Gefühl, dass das hastig zur Abstimmung gestellte Paket gravierende ökonomische Folgen haben wird – für den überschuldeten Staat, für seine Unternehmen, aber auch für Millionen Beschäftigte. Am Ende beschließt die Volksvertretung das Gesetz mit der Mehrheit der Koalition. Genau vor 20 Jahren. mehr

Anschreiben gegen "Dolchstöße"

Der Ex-Finanzminister von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Paqué, zieht Bilanz

Paqué, Die Bilanz

Bilanzen zur Wiedervereinigung erfreuen sich einer ungebremsten Konjunktur – Weltwirtschaftskrise hin oder her. Genre und Autorenkreis sind mittlerweile kaum noch überschaubar. Helmut Schmidt, Wolfgang Herles, Uwe Müller oder Jens Bisky schlagen so ihre Bögen über politische, gesellschaftliche, kulturelle hin zu ökonomischen Nabelschauen der Wiedervereinigung, die zumeist zwischen persönlichem Erinnern, abstrakter Wissenschaftlichkeit oder unverhohlenem Populismus changieren. mehr

Der Richtigmacher

Thilo Sarrazin über den schnellen Weg zur Währungsunion und Wiedervereinigung

Thilo Sarrazin im Gespräch

Thilo Sarrazin, bekannt geworden als Berliner Finanzsenator mit Hang zur political incorrectness, war 1989/90 maßgeblich an den Vorbereitungen für die Währungs- und Wirtschaftsunion der beiden deutschen Staaten beteiligt. Eine Alternative zur schnellen Wiedervereinigung gab es für den pragmatischen Rechner nicht. mehr

Abgewirtschaftet

Warum die Planwirtschaft zusammenbrach und es keine Alternative zur schnellen Währungsunion gab

Chemiekombinat Buna

Schon die Annahme, die Planwirtschaft sei zusammengebrochen, entspringt einem bestimmten Deutungsmuster – dass die DDR an ihren inneren Widersprüchen und Unzulänglichkeiten zerbrach und die Revolution der Massen nur erfolgreich sein konnte, weil die Strukturen des Systems längst marode geworden waren. Einer dieser maroden Stützpfeiler war das planwirtschaftliche System. In der vergangenen Woche waren Wirtschaftswissenschaftler und zeitgenössische Entscheidungsträger zusammengekommen, um über den "Kollaps der Planwirtschaft" und die Herstellung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zu sprechen. Eine Diskussion kam nur selten zustande – zu einig war man sich in den Kernfragen des Abends. mehr

Deindustrialisierte Landschaften

Montagsradio, Ausgabe 38: die Vereinigung aus volkswirtschaftlicher Sicht

Radio

Die deutsche Wiedervereinigung hatte ein Wirtschaftsproblem: wie überführt man eine marode Planwirtschaft in eine florierende Marktwirtschaft? Die Treuhandanstalt hatte die Aufgabe, die volkseigenen Betriebe zu privatisieren. Eine schnelle Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion sollte die Angleichung der Lebensverhältnisse von Ost und West ermöglichen. Prof. Dr. Jan Priewe bilanziert im Montagsradio den Einigungsprozess aus volkswirtschaftlicher Sicht – die Analyse eines Niedergangs ohne Vorwarnung. mehr

Abschied vom "Aluchip"

Am 24. April 1990 beginnen die Verhandlungen über eine Wirtschafts- und Währungsunion

Kleiner Deutscher, großer Deutscher

Die Idee einer Währungsunion entsteht unter dem Druck der wirtschaftlichen Misere in der DDR. Zwischen Mauerfall und dem Beschluss der Bundesregierung, der DDR-Regierung die D-Mark anzubieten, liegen keine drei Monate. Nach der ersten freien Volkskammerwahl wird innerhalb von zwei Monaten die Währungsunion ausgehandelt – die Beratungen müssen schnell geführt werden, um den völligen Kollaps der DDR-Wirtschaft aufzuhalten. Am 1. Juli 1990 tritt die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion schließlich in Kraft. mehr

Erwachen aus der Euphorie

Im Frühjahr 1990 steigt die Zahl der Arbeitslosen und Ausreisewilligen weiter an

Aufschwung Ost

Nach der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 erschien die deutsche Wiedervereinigung als einmalige historische Chance. Das Ergebnis der Märzwahl bestätigte, dass neben Bundeskanzler Helmut Kohl auch die Mehrheit der ostdeutschen Bevölkerung eine schnelle Wiedervereinigung anstrebte. Die erste Euphorie über die wieder gewonnene Freiheit wich jedoch nach und nach der Einsicht in eine veränderte und gerade in wirtschaftlicher Hinsicht von Unsicherheit geprägten Realität. Ausschlaggebend für die schnelle Wiedervereinigung waren nicht allein historisch bedingte Emotionen – vor allem die wirtschaftliche Situation setzte die ost- und westdeutsche Regierung unter Druck. mehr

Schlange stehen für den Kapitalismus

Anfang April 1990 wird aus dem ersten Volkseigenen Betrieb eine Aktiengesellschaft

Montagehalle im VEB Elektromaschinenbau

Die Treuhandverordnung vom 1. März 1990 regelte die Umwandlung der Volkseigenen Betriebe in Aktiengesellschaften und GmbHs. Doch was im Frühjahr 1990 für viele staatliche Großbetriebe der DDR als ebenso abenteuerliches wie chaotisches Unterfangen begann, endete nur wenige Jahre später in vielen Fällen mit dem dramatischen Niedergang traditionsreicher Industriestandorte. Ein Beispiel ist die VEM-Antriebstechnik AG in Dresden, die erste ostdeutsche Aktiengesellschaft des Jahres 1990. mehr

Dinosaurier der Volkswirtschaft

Marcus Böick über die Sicht der Treuhand auf die Kombinate der DDR

Marcus Böick im Gespräch über die DDR-Wirtschaft

Die DDR-Wirtschaft galt als marode und ineffizient. Aus Sicht der Menschen in der DDR hatte ein Kombinat jedoch weit mehr Aufgaben, als nur wirtschaftlich profitabel zu sein, wie der Zeithistoriker Marcus Böick in einem Gespräch zur Lage der DDR-Wirtschaft 1990 anmerkt. mehr

Warten auf ein Wirtschaftswunder

Die Treuhandanstalt organisierte das Ende der Planwirtschaft

Die Treuhand in der Kritik, 1990

Montagsdemonstrationen und Mauerfall sind fest im öffentlichen Bewusstsein verankert. Die "Abwicklung" der ostdeutschen Wirtschaft und die Arbeit der Treuhandanstalt sind hingegen seit Mitte der 1990er Jahre zunehmend aus dem Blickfeld geraten. Dabei prägte der radikale Umbau der Ostwirtschaft den Wiedervereinigungsprozess entscheidend, und das zum Teil bis heute. mehr

Der Staat privat

1990 und die Folgen. Ein Kommentar

Privatisierung der DDR-Planwirtschaft

Die Privatisierung der DDR-Planwirtschaft war ein historisch einmaliges Ereignis. Doch die Bilanz der Treuhand war ernüchternd. Als die Anstalt 1994 aufgelöst wurde, gab es keine blühenden Landschaften, sondern ein Defizit von 250 Mrd. DM und massive Betrugsvorwürfe. Die Privatisierungswelle, die in den 1990ern ganz Deutschland erfasste, gipfelte in obskuren Leasinggeschäften mit kommunalem Eigentum. mehr

Planlos in die Marktwirtschaft?

Anfang 1990 begann der Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen in der DDR

Cottbus-Brikettfabrik im "Ruhestand"

Die revolutionäre Umwälzung von 1989/90 betraf das ökonomische System der DDR ebenso wie das politische. Im Spätherbst 1989 war klar, dass die in Ineffizienz erstarrte Planwirtschaft ohne Zukunft war. Zugleich begann das wirtschaftliche Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten, vielfach noch ungesteuert, beflügelt durch die Initiative vieler Wagemutiger und einiger "Goldgräber", die die Gelegenheit für ein gutes Geschäft gekommen sahen. Die Angleichung der DDR an die ökonomischen Strukturen der Bundesrepublik bereitete die staatliche Einheit vor. Alternative Vorstellungen zur Revolutionierung des ostdeutschen Wirtschaftssystems blieben auf der Strecke. mehr

Highlights

Titelbild
Titelbild
Titelbild
left
1
right
"Wir waren auf jeden Fall ...mehr

Dossier

Dossiers zu unseren Schwerpunktthemen wie Ausblick, Alltag, Film, Wenderomane und und und ... mehr
Im Archiv der Auseinandersetzung finden Sie… mehr mehr

Partner:
 

Bundesstiftung AufarbeitungDie Bundesbeauftragte für die Unterlagen deStaatssicherheitsdienstes der ehemaligen DeutschenDemokratischen RepublikFreistaat Sachsen

 

Weitere Kooperationen:
 

Zentrum für zeithistorische Forschung PotsdamHumanities, Sozial- und Kulturgeschichte