Hörfunk-Vorschau vom 27. September bis 3. Oktober 2010

Flucht, Übersiedlung und Identitätssuche

Hörfunk-Vorschau vom 27. September bis 3. Oktober 2010

Deutschlandradio Kultur betrachtet am Montag und Dienstag die Veränderungen, die sich in den beiden deutschen Hauptstädten 1989/90 vollzogen haben. Flucht aus der DDR und Übersiedlung in den Westen vor und nach 1989 stehen gleich in vier Dokumentationen im Mittelpunkt: Am Montag und Dienstag auf SWR2, am Donnerstag auf Bayern 2 und am Sonntag im Deutschlandfunk. Am Freitag fragt SWR2 nach der Identität der Ostdeutschen 20 Jahre nach der Wende.

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Montag, 27. September 2010

 

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Mo, 27.09.10, 13:07 Uhr, Deutschlandradio Kultur

Titel: Das Jahr in Bonn. 1989/90 und das politische Geschehen in der provisorischen Bundeshauptstadt

Form: Länderreport

Länge: 23 Minuten

 

1989/90, zwischen Mauerfall und deutscher Einheit in Bonn. Es war das politisch wohl turbulenteste Jahr, das die provisorische Bundeshauptstadt  in ihrer Geschichte erlebt hat.
Politiker kamen und gingen, Verhandlungen wurden eröffnet und beendet, eine Pressekonferenz jagte die andere, Politik und Medien kamen kaum zur Ruhe. PeterZudeick erinnert an das geschichtsträchtige Jahr und den Alltag.

 

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Mo, 27.09.10, 19.20 Uhr, SWR2

Titel: SWR2 Dschungel – "Lang genug auf Eis gelegen ..."

Form: Feature

Länge: 40 Minuten

 

Freya Kliers und Stephan Krawczyks Kampf gegen die erstarrte DDR, Von Peter Köster

20 Jahre nach der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR kommen im Dschungel Zeitzeugen zu Wort, die zu früh dran waren, weil sich ihr 89 schon vor dem Mauerfall ereignete. Im November 1987 schickten der Liedermacher Stephan Krawczyk und die Autorin und Regisseurin Freya Klier einen offenen Brief an den obersten Kulturverantwortlichen der DDR: "Werter Kurt Hager, Gorbatschows Kurs der Offenheit und Umgestaltung ist der heute einzig mögliche Weg, die Probleme zu lösen ... . Wir erleben das starke gesellschaftliche Bedürfnis nach kompromissloser Kunst – ein Bedürfnis, das in Ihrer Kulturpolitik keine Berücksichtigung findet ... ." Ein Vierteljahr später stehen die beiden vor der Alternative, viele Jahre in Stasi-Gefängnissen zu verbringen oder in die Bundesrepublik auszureisen. Sie entscheiden sich für die Ausreise.

 

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Mo, 27.09.10, 19:30 Uhr, Deutschlandradio Kultur

Titel: Zeitreisen – Countdown Wiedervereinigung. Der Weg zur deutschen Einheit

Form: Doku

Länge: 30 Minuten

 

18. März 1990: Die Allianz für Deutschland mit der CDU an der Spitze geht aus den Wahlen zur DDR-Volkskammer überraschend deutlich als Sieger hervor.

1. Juli 1990: Die Wirtschafts- und Währungsunion tritt in Kraft. Bundeskanzler Helmut Kohl verspricht den Bürgerinnen und Bürgern in Ostdeutschland blühende Landschaften.

12. September 1990: Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und die beiden deutschen Staaten unterzeichnen den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Er stellt die endgültige innere und äußere Souveränität des vereinten Deutschlands her.

Das sind drei zentrale Daten aus den letzten Monaten vor der Wiedervereinigung. Doch in dieser kurzen Zeitspanne, in diesem "deutschen Jahr" 1990, hat sich ein beispielloser Prozess vollzogen, der noch viel mehr beinhaltete. Der Weg zur deutschen Einheit war alles andere als ein Selbstläufer, sondern das Resultat von gewagten Entscheidungen, schwierigen Auseinandersetzungen und glücklichen Zufällen.

 

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Dienstag, 28. September 2010

 

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Di, 28.09.10, 10:05 Uhr, SWR 2

Titel: Bis heute Wut im Bauch. Die Folgen einer DDR-Flucht

Form: Doku

Länge: 25 Minuten

 

Jürgen flieht mit seinem Bruder und einem Freund in den Westen, ihre Ehefrauen werden von der Staatssicherheit inhaftiert und erpresst. Eine der drei Frauen packt schließlich aus. Kerstin gibt zu, dass alle eingeweiht waren, sie zieht ihren Ausreiseantrag zurück und wird entlassen. Angeblich hat sie schon da einen neuen Freund. Jürgen will das nicht wahrhaben und kehrt illegal nach Thüringen zurück, um seine Frau und seinen Sohn in die BRD zu holen. Doch er wird verraten. 20 Jahre nach der Wiedervereinigung haben alle Beteiligten zum ersten Mal über das Familiendrama gesprochen.

 

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Di, 28.09.10, 13:07 Uhr, Deutschlandradio Kultur

Titel: Das Jahr in Berlin. 1989/90 in der geteilt/vereinten Stadt

Form: Länderreport

Länge: 23 Minuten

 

Nach dem Mauerfall war alles anders, blieb alles anders. Die Stadt begann das Jahr als geteilte Stadt, als vereinte beendete sie es. Der Alltag ward ein anderer. Manche Gegensätze verschwanden, andere blieben. Die Unterschiede änderten wie ein Chamäleon ihre Farbtöne. Alles musste noch schneller gehen in der Stadt, die auch sonst nicht zur Ruhe kommt.

 

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Di, 28.09.10, 20.00 Uhr, NDR Kultur

Titel: Kulturforum – Der Unbelehrbare – Warum Mackie Messer aus dem Fenster sprang – Eine Wendegeschichte

Form: Doku

Länge: 60 Minuten

 

In Gestalt des Schauspielers Wolf Kaiser war der Gentleman-Gangster Mackie Messer jahrelang eine Gallionsfigur des Brecht-Theaters am Schiffbauerdamm. Wenige Monate nach der deutschen Vereinigung stürzte sich der 76-Jährige aus dem Fenster seiner Wohnung, Friedrichstraße 128. 1990 hatte er seiner Abscheu über die "neue Zeit" wie über das Wende-Verhalten mancher Mitglieder der DDR-Führungsschicht ungehemmt Ausdruck verliehen. Die Karriere des politisch eher naiven Vorzeige-Mimen war beendet. Als "Meister Falck" in der populären DDR-Fernsehserie hatte er sein Publikum gefunden, ein sozialistischer Held mit Ecken und Kanten. Doch für diesen Typus hatten die Medien plötzlich keine Verwendung mehr. Noch in den letzten Tagen vor seinem Freitod verließ der Star ohne Engagement jeden Morgen pünktlich die Wohnung mit der abgeschabten Aktentasche, mit der er als Brecht-Schauspieler und Mitglied des DDR-Fernsehensembles immer zur Arbeit gegangen war – eine Inszenierung auch für die eigene Frau. Das bittere Ende einer ostdeutschen Schauspieler-Karriere wird zu einer Parabel für den gesellschaftlichen Umbruch, der mit dem Fall der Mauer 1989 und der deutschen Vereinigung 1990 nicht erledigt war.

 

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Mittwoch, 29. September 2010

 

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Mi, 29.09.10, 19.04 Uhr, Kulturradio

Titel: Kulturtermin – "Verschwundene Bilder"

Form: Magazin

Länge: 26 Minuten

 

Wo sind die Kunstwerke der DDR geblieben? Von Nadine Wojcik

 

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Mi, 29.09.10, 19:20 Uhr, SWR 2

Titel: SWR 2 Dschungel – Wer zu früh kommt … Warum ich 1989 verpasst habe

Form: Doku

Länge: 40 Minuten

 

In Polen wurde 1980 nach landesweiten Streiks gegen die verfehlte Wirtschaftspolitik der Regierung die unabhängige Gewerkschaft Solidarność gegründet. Das Jahr 1981 war geprägt von immer wieder aufflackernden Konflikten, bis im Dezember dann das Kriegsrecht verhängt wurde. Im Nachbarland DDR witterten vor allem die Studenten Morgenluft. Der Regiestudent Martin tritt damals für eine offene Debatte an seinem Institut ein und stellt sich als Studentenvertreter zur Wahl, gegen den Kandidaten der offiziellen Parteijugend FDJ. Martin wird gewählt – aber das besiegelt sein Schicksal. Die DDR-Führung lässt keinerlei abweichende Meinung zu und sorgt dafür, dass in den vom polnischen Bazillus angesteckten Studentenköpfen "aufgeräumt" wird. Zwei Jahre dauert es noch, bis Martin "freiwillig" die DDR verlässt und dadurch das Jahr des Aufbruchs verpasst: 1989.

 

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Mi, 29.09.10, 19:30 Uhr, DeutschlandradioKultur

Titel: Zeitreisen – Als die Insel wieder Festland wurde. Eine Mauerrundreise um das ehemalige Westberlin

Form: Doku

Länge: 30 Minuten

 

Zum Umland war Westberlin 37 Jahre lang abgeriegelt, zum Ostsektor Berlins 28 Jahre lang: eine Insel. Als die Mauer fiel, trafen zwei fremde Welten aufeinander. Auf Touren entlang der ehemaligen Mauer erkundet der Autor, ob und wie zusammengewachsen ist, was lange Zeit nicht zusammengehörte.

 

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Mi, 29.09.10, 22:00 Uhr, MDR Figaro

Titel: Hochzeit mit dem Feind – Bundeswehr nimmt NVA – Album einer Vereinigung

Form: Feature

Länge: 60 Minuten

 

Am Rand der Gemeinde Dabel – Kreis Sternberg, Bezirk Schwerin –, hinter Kiefern und Birken in Mecklenburg, geschieht das Einmalige, noch nie Erlebte: Zwei Armeen aus gegensätzlichen Verteidigungssystemen vereinigen sich. Die einstigen Gegner – schwer bewaffnet und in jahrzehntelangem Misstrauen erstarrt – feiern Hochzeit. Alle Mann ab sofort im gleichen Rock. Wie in vielen anderen Garnisonsstädten der untergegangenen DDR, schwören NVA-Offiziere nun auf Schwarz-Rot-Gold ohne Ährenkranz, Hammer und Zirkel; geloben Rekruten in feierlicher Zeremonie, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen". Allerdings: Alte Gewohnheiten und Denkmuster sind schwerer zu wechseln als Uniformen. Die kleine Mannschaft der Bundeswehr-Instrukteure (West) – in Dabel sechs Mann gegenüber 1094 Soldaten und 155 Zivilangestellten (Ost) – wirkt zuweilen wie ein Fähnlein versprengter Pioniere oder Missionare unter fremdstämmigen Kriegern. Berufsoffiziere, samt und sonders SED-Parteimitglieder und auf Befehl und Gehorsam gedrillt, sollen nun die Grundsätze der inneren Führung ("Bürger in Uniform") verwirklichen. Die Wehrpflichtigen aber sind ohne Motivation. Der Staat, den sie im Ernstfall unter Einsatz ihres Lebens verteidigen müssten, wird viele vorerst in die Arbeitslosigkeit entlassen.

 

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Donnerstag, 30. September 2010

 

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Do, 30.09.10, 20.30 Uhr, Bayern 2 sowie Bayern 2 plus

Titel: radioThema – Einmal von Bamberg nach Chemnitz und nicht zurück

Form: Feature

Länge: 60 Minuten

 

20 Jahre Wiedervereinigung – Die Abwanderung von West nach Ost und ihre Folgen.

Die Wiedervereinigung verlief als gigantisches und bis dahin einmaliges soziologisches Experiment mit offenem Ausgang. Sie löste eine kleine Völkerwanderung aus: 1,8 Millionen Ostdeutsche gingen in die westdeutschen Bundesländer, fast so viele Westdeutsche in die ehemalige DDR. Während die ostdeutschen Migranten sich in feste, althergebrachte Strukturen einpassen mussten, übernahmen die Westdeutschen im Osten fast immer das Ruder. Manche von ihnen waren Glücksritter, die schnelles Geld witterten. Andere kamen als Beamte und Führungskräfte, weil politisch unbelastete Ostdeutsche rar waren. Ihnen gelangen Karrieren, die sie im Westen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gemacht hätten. Während sich in der Politik das Blatt inzwischen gewendet hat, sind in der Justiz, Wirtschaft und in den Instituten die attraktivsten Jobs noch immer fest in Wessihand. Traten und treten sie als engagierte Entwicklungshelfer oder eher als selbstherrliche Kolonialherren auf? Was haben ihre Familien erlebt? Susanne Betz hat unterfränkische Adelige besucht, die sich endlich den Traum vom eigenen Schloss erfüllten, einen oberbayerischen Museumsdirektor, der mit der Himmelsscheibe von Nebra der Stadt Halle Auftrieb gibt, einen Juristen, der in der sächsischen Provinz seine wahre Heimat und einen rheinischen Offizier, der dort die große Liebe fand. Zwei Mütter aus dem Westen – die eine froh darüber, dass sie ihre drei Kinder in Ostdeutschland großziehen konnte, während die andere sich auch nach zwanzig Jahren in Leipzig noch von Ostdeutschen diskriminiert fühlt. Ein aus Niedersachsen stammender Landeschef der Linkspartei eckt dafür bei seinen thüringischen Genossen an, weil er praktizierender Christ ist und sich mit Opfern des Stasi-Systems trifft. Alle eint, dass sie materiell erheblich vom "Rübermachen" profitiert haben. Die Sendung verdichtet Einzelschicksale zu gelebter, geliebter, genossener und gelegentlich gefrusteter deutsch-deutscher Gegenwart.

 

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Freitag, 01.10.2010

 

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Fr, 01.10.10, 10.05 Uhr, SWR 2

Titel: SWR2 Leben – Was von der DDR übrig blieb: Die Identität der Ost-Deutschen heute

Form: Reportage

Länge: 25 Minuten

 

"Vielleicht kann Heimat nur etwas Vergangenes sein?", fragt sich ein Dresdner 20 Jahre nach der Deutschen Einheit. Manche Ostdeutsche haben ihre DDR-Identität erst nach der Wende entdeckt. Sie erzählen, was sie geprägt hat und womit sie bis heute ihre Schwierigkeiten haben. Welche Werte von damals empfinden sie als bewahrenswert, was vermissen sie? Und wie erleben sie sich im Gegensatz zu den Westlern? Denn mancher unterscheidet immer noch, aus welchem Landesteil ihr Gegenüber stammt, und ein Vergleich mit den "anderen" Deutschen bleibt nicht immer aus.

 

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Fr, 01.10.10, 13:07 Uhr, DeutschlandradioKultur

Titel: Länderreport – Es geschah … am letzten Tag

Form: Kalenderblatt

Länge: 23 Minuten

 

Die Geschichte der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Berlin (Ost)

"Bisher hatten wir keine Beziehungen, jetzt werden wir schlechte haben, und das ist der Forschritt." Egon Bahr, nach der Unterzeichung des Grundlagenvertrages 1972. 18 Jahre später klingt es anders: "Heute haben wir sehr gute Beziehungen zur DDR. Morgen brauchen wir keine mehr."
Datum: 2. Oktober 1990, Quelle: letztes amtliches Fernschreiben der STAEV in Ostberlin.
Die Ständige Vertretung wird an jenem Tag geschlossen. Sie hat ihre Arbeit getan.

 

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Samstag, 02. Oktober 2010

 

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Sa, 02.10.10, 05:55 Uhr, DeutschlandradioKultur, sowie 09:05 Uhr, Deutschlandfunk

Titel: Kalenderblatt – Vor 20 Jahren

Form: Kalenderblatt

Länge: 5 Minuten

 

Die DDR tritt der Bundesrepublik Deutschland bei

 

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Sonntag, 03. Oktober 2010

 

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So, 03.10.10, 14:05 Uhr, Deutschlandfunk

Titel: Das Feature – "Die letzten von drüben“

Form: Feature

Länge: 55 Minuten

 

DDR-Übersiedler zwischen Mauerfall und Währungsunion

Von Elke Kimmel, Regie: Marcus Heumann

 

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