Feuer einstellen!

An der Berliner Mauer wird nicht mehr geschossen

Brandenburger Tor 1972

Bundesarchiv B 145 Bild-F014922-0009, Foto: Ludwig Wegmann

Was nicht existiert, kann auch nicht abgeschafft werden. Das Gegenteil beweist die Staatsführung der DDR am 3. April 1989. Der Schießbefehl für die innerdeutsche Grenze wird von höchster Stelle aufgehoben.

"Es hat nie – nie! – einen Schießbefehl gegeben", behauptet der DDR-Verteidigungs-minister Kessler noch Ende 1988 (DIE ZEIT, 30.09.1988, Nr. 40). Obwohl es diesen Befehl offiziell also nicht gibt, weist Honecker Krenz am 3. April 1989 mündlich an, selbigen auszusetzen. In einer späteren Niederschrift heißt es: "[…] Zur Anwendung der Schusswaffe an der Staatsgrenze: Wenn der Herr Minister für Nationale Verteidigung sagt, dass kein Schießbefehl existiert, dann darf man auch an der Staatsgrenze nicht schießen oder der Verteidigungsminister verliert an Glaubwürdigkeit. […]" (Dokument: BStU).  

    Das politische System der DDR befindet sich im Jahr 1989 bereits seit langem ebenso in der Krise wie der Wirtschaftssektor. Der Alltag der Menschen ist geprägt von Engpässen in der Versorgung und der noch weiter gesteigerten Überwachung und Repression durch Staatssicherheit und SED. Grundrechte wie Presse-, Reise-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gibt es nicht. Selbst die UdSSR, der 'große Bruder', wird  angesichts des schon seit längerem verfolgten Reformkurses argwöhnisch beobachtet. Diese Haltung der überalterten SED-Führungsriege führt außenpolitisch zur Isolation des Landes. Zusammengenommen lassen diese Bedingungen immer mehr Bürger der DDR den Entschluss fassen, ihr Land auf legalem oder illegalem Wege – also auch unter Lebensgefahr – zu verlassen.
    

    Erst am 5. Februar 1989 gibt es wieder ein neues Opfer: der 20-jährige Chris Gueffroy wird auf der Flucht in den Westen an der Berliner Mauer erschossen. Das Ereignis erschüttert viele DDR-Bürger und steht noch dazu im Widerspruch zur Entspannungspolitik, die auf internationaler Ebene zwischen Ost und West betrieben wird. Der politische Druck auf Honecker erhöht sich. Er handelt und nimmt zurück, was offiziell nicht existiert: seit dem 3. April darf an der innerdeutschen Grenze also nicht mehr geschossen werden.


So bleibt Chris Gueffroy der letzte Erschossene an der Mauer und die Erinnerung an ihn eine Mahnung an die Vergangenheit.

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