Hörfunk-Vorschau vom 13. September bis 19. September 2010

Tönendes Wachregiment und Modesehnsucht

Hörfunk-Vorschau vom 13. September bis 19. Sept.

Bisher unveröffentlichte Tonaufnahmen bieten am Mittwoch auf Deutschlandradio Kultur einen spannenden Einblick in den Alltag des Stasi- Wachregiments, den militärischen Arm des Ministeriums für Staatssicherheit. Auf MDR Figaro und Kulturradio geht es im Feature um den Freikauf von politischen Häftlingen aus den Gefängnissen der DDR. Am Donnerstag wird "Die Sehnsucht nach Mode in der DDR" geweckt.

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Mittwoch, 15. September 2010


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Mi, 15.09.10, 00.05 Uhr, Deutschlandradio Kultur

Titel: Wir sind eine feste Bastion – Das Stasi-Wachregiment Feliks E. Dzierzynski

Form: Feature

Länge: 55 Minuten


Das Wachregiment Feliks E. Dzierzynski, nach dem Gründer der sowjetischen Geheimpolizei benannt, war der militärische Arm des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Seine Soldaten hatten vor allem Büro- und Wohnobjekte der Partei- und Staatsführung in Ostberlin und Umgebung zu bewachen sowie Großveranstaltungen abzusichern. Da der Besitz privater Radios in den Regimentskasernen streng verboten war, gab es ein eigenes Funkstudio. Es sorgte für Unterhaltung, aber auch für die politische Indoktrination der Soldaten. Der Autor befragt Zeitzeugen, nutzt kürzlich aufgetauchte, bisher unveröffentlichte Tonaufnahmen und gewährt so einen spannenden Einblick in den skurrilen Alltag des Wachregiments.


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Mi, 15.09.10, 19.30 Uhr, Deutschlandradio Kultur

Titel: Zeitreisen – Deutsche Gesänge: Die Hymne der DDR Teil 1/2

Form: Doku

Länge: 30 Minuten


Zwei Staaten – zwei Hymnen: Das war über Jahrzehnte die deutsche Nachkriegsrealität, die mit dem 3. Oktober 1990 zu Ende ging. Die DDR war zwar der zweite deutsche Staat, hatte aber als erster eine Hymne. Claus Stephan Rehfeld erzählt in zwei Folgen die Geschichte der beiden deutschen Hymnen.


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Mi, 15.09.10, 22.00 Uhr, MDR FIGARO sowie 22.04 Uhr, Kulturradio

Titel: Einheit 20_10: Freigekauft – Die geheimen Geschäfte mit politischen Gefangenen in der DDR

Form: Feature

Länge: 55 Minuten


Der Freikauf politischer Häftlinge durch die Bundesrepublik Deutschland war ein politisch sensibles Thema. In der DDR durfte darüber nicht gesprochen werden. Aber auch im Westen sollte dieses Thema im Geheimen bleiben, um die Verhandlungen nicht zu gefährden. Die Abwicklung fiel unter das Ressort "Kirchengeschäfte B". Die Verträge wurden vom Präsidenten des Bundesrechnungshofes persönlich abgezeichnet und das Geld in einem Köfferchen über die Grenze gebracht. Doch es wurde nicht nur mit Geld bezahlt sondern auch mit Naturalien und Gefangene gegen Mais, Kakao oder Erdöl getauscht.


Der Autor Axel Reitel wurde nach langer Haftstrafe 1982 freigekauft. Er beschreibt den Moment seiner "Übergabe". Was wie ein Agentenfilm anmutet, war jahrzehntelang bitterer politischer Ernst. Das Feature reflektiert die Schicksale ehemaliger Häftlinge wie auch die geheimen Abwicklungen auf Regierungsebene.


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Donnerstag, 16. September 2010


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Do, 16.09.10, 10.05 Uhr, SWR2

Titel: Volkseigener Chic – Die Sehnsucht nach Mode in der DDR

Form: Doku

Länge: 25 Minuten


"Was für ein Stoff!", dachte die junge Frau, die an einem Container mit Sperrmüll vorbeilief. Rasch zog sie ihre Pumps aus, stieg hinein und kramte nach dem, was da hervor blitzte. Ostberlin, Ende der 70er Jahre. – Ideen mussten sie haben, die modebewussten DDR-Frauen, wenn sie anderes tragen wollten als den volkseigen produzierten Chic. Josefine Edle von Krepl, lange Jahre Moderedakteurin der Frauenzeitschrift FÜR DICH, setzte dem 1980 ein erstes eigenes Label entgegen: "Josefine". Sie eröffnete eine Boutique – und die Käuferinnen standen Schlange.


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Samstag, 18. September 2010


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Sa, 18.09.10, 09:05 Uhr, Kulturradio RBB

Titel: Bebo Sher und Stern-Radio. Über das Bewahren von Formen und Klängen des DDR-

Alltags

Form: Feature

Länge: 55 Minuten


Der Mülleimer hieß "Servus", der Staubsauger "Omega", der Rasierer "Bebo Sher", die Nähmaschine "Veritas", "Kolibri" und "Erika" die Schreibmaschinen. Es gab nichts, das in der DDR keinen Namen hatte: die Schrankwand nicht, das Kaffeeservice nicht, der Füllfederhalter nicht. Doch vor zwanzig Jahren verschwanden nicht nur die Namen aus den Produktlisten der Betriebe, sondern auch die Betriebe und die Gegenstände selbst. Sie wurden verschrottet oder durch andere ersetzt. In der Berliner Wohnung von Günter Höhne hat ein Teil der Gegenstände aus dem Alltag der DDR den Zeitenwechsel überstanden. Höhne ist Experte für DDR-Design und als Herausgeber von Büchern über DDR-Design und Kurator für Museen weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Seine Wohnung und der Hausboden haben sich über die Jahre in ein Museum verwandelt. Mit Fotoapparat und Tonbandgerät dokumentiert er die vielfältigen Formen und Klänge der DDR-Industrie- und Kulturgeschichte.


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Sonntag, 19. September 2010


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So, 19.09.10, 09:45 Uhr, MDR Figaro

Titel: Deutsche Einheit

Form: Lesung

Länge: 15 Minuten


Günter de Bruyn, es liest: Dieter Mann

"... Carlo Schmid, einer der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland, hat im Mai 1949, kurz vor der Verabschiedung des Grundgesetzes, das Wort gesprochen, das Willy Brandt später zu guter Stunde, leicht abgewandelt, wieder gebrauchte, nämlich das von dem Bewusstsein, 'dass zusammenkommen muss, was zusammen gehört'. Dass er dabei nicht an die Einheitlichkeit von Mentalitäten, sondern an die Gemeinsamkeiten von Herkunft, Sprache, Kultur und Geschichte dachte, ist anzunehmen ..."

 

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So, 19.09.10, 14:04 Uhr, Kulturradio RBB

Titel: Das Land mit Draht umwickelt. Der Dramatiker Georg Seidel

Form: Feature

Länge: 55 Minuten


Georg Seidel starb im gleichen Jahr wie die DDR. Er hat den Herbst '89 und einen Teil der gravierenden Veränderungen noch miterlebt. Auch die große Nachfrage ost- und westdeutscher Theater nach seinen Stücken und die Würdigung seiner Arbeit. Unmittelbar nach dem Fall der Mauer erhielt er in Weimar den Schiller-Preis. In seiner Dankesrede hieß es: "Was haben die Menschen geleistet in meinem Land? Beschäftigt mit dem Weltfrieden, vertröstet auf Zukunft, die eine zu Beton versteinerte Gegenwart wurde, aus der man Kasernen, Mauern und Menschenkäfige machte." In der DDR gab es mit seinen Stücken immer Ärger. Und doch kam es zu Aufführungen, die Theatergeschichte machten. 1981 wurde "Kondensmilchpanorama" in Schwerin uraufgeführt, 1985 "Jochen Schanotta" am Berliner Ensemble – allerdings nur mit erheblichen Kompromissen. Die Propaganda- Abteilung des ZK der SED gab an die Presse die Richtlinie aus, das Stück zu verreißen. Seidel schrieb dann noch vier weitere Stücke: "Carmen Kittel", "Villa Jugend" (auch als Hörspiel erfolgreich), "Königskinder" und "Friedensfeier". Heute scheint er vergessen. In den Spielplänen der hauptstädtischen Theater kommt keines seiner Werke vor.


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