In der Zwischenzeit

"1990 - Der Weg zur Einheit". Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum

Schnellstraße zur Einheit

Schnellstraße zur Einheit

Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 sind Daten, die sich ins kollektive Bewusstsein der Deutschen gebrannt haben. Doch was passierte in den Monaten zwischen der Öffnung des "Antifaschistischen Schutzwalls" und der Wiedervereinigung? Die Ausstellung "1990 - Der Weg zur Einheit", die noch bis zum 10. Oktober im Deutschen Historischen Museum Berlin zu sehen ist, richtet den Fokus auf die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse in dieser letzten Phase vor dem Ende der deutschen Teilung.

"Wir kommen wieder, wir kommen wieder!" tönt es aus einem kleinen Bildschirm, der sich unmittelbar neben dem Eingang des Ausstellungsraumes befindet und der Bilder von Menschenmassen an den Grenzübergängen der DDR zeigt. Anders als andere Ausstellungen, die sich mit den Themen DDR, Mauerfall und Wiedervereinigung beschäftigen, endet die Schau im Deutschen Historischen Museum nicht mit Rückblicken jenen legendären Abend des 9. November 1989, sondern beginnt damit. In neun Etappen widmet sich die Ausstellung dann - neben einem kleinen Exkurs zur Friedlichen Revolution, die die Öffnung der Mauer erst möglich machte - der sich überschlagenden Entwicklung bis hin zur Wiedervereinigung.

Mittels zahlreicher Video- und Audiobeiträge sowie Fotografien, Dokumente und Berichte von Zeitzeugen werden die historisch bedeutsamen Entscheidungen und Umbrüche dieses knappen Jahres anschaulich dargestellt. Große Texttafeln, die jeden neuen Ausstellungsbereich einleiten, bieten verständliche Definitionen und Hintergrundinformationen zur  Volkskammerwahl, zur Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, zur Treuhandanstalt, zu den Verfassungsdebatten und zum Einigungsvertrag. 

Großformatige Originalplakate zur Volkskammerwahl dokumentieren die ganz unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft der DDR: Während die Partei Die Linke – nicht zu verwechseln mit der heutigen Partei gleichen Namens – ihren Wahlspruch in den geschwungenen Schriftzug der amerikanischen Marke Coca Cola kleidete, um so die Angst vor westlicher Wirtschaftsmacht für sich zu nutzen, unterstützte die SPD mit Willy Brandts geflügeltem Wort "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört" den Wunsch nach Wiedervereinigung.

Die Ausstellung macht ebenfalls deutlich, wie groß der Wunsch der DDR-Bürger nach einer zügigen Einführung der harten D-Mark sowie der Vereinigung von Ost und West war. Zugleich zeigt sie aber auch, welche Konsequenzen der schnelle Zusammenschluss der beiden so unterschiedlichen deutschen Staaten mit sich brachte. Nach Gründung der Treuhandanstalt wurden zahlreiche Unternehmen privatisiert oder dem schnellen Zusammenbruch preisgegeben. Fotografien von Arbeitnehmerprotesten verdeutlichen den Unmut über diese brachiale Politik, die tausende Menschen den Arbeitsplatz kostete.

Die chronologisch geordnete Ausstellung eignet sich für alle, die mehr erfahren möchten über die rasante Entwicklung in den wenigen Monaten zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Vorkenntnisse zur Geschichte der DDR und der Bundesrepublik sind jedoch hilfreich für das Verständnis dieses komplexen Prozesses, da Hintergrundinformationen nur spärlich geboten werden. 

Die Ausstellung "1990 - Der Weg zur Einheit" läuft noch bis zum 10. Oktober 2010 und ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. 

Julia Schmitz

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Highlights

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