Der DM-Schock

Die Einführung der D-Mark erschüttert die marode DDR-Wirtschaft

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Die deutsche Mark © Auchwaswisser

1. Juli 1990. Mit der Einführung der D-Mark in der DDR, dem Wegfall der Kontrollen an den innerdeutschen Grenzen und den Notaufnahmeverfahren für Übersiedler erfolgen entscheidende Schritte zur staatlichen Einheit. Um Mitternacht tritt die Wirtschaft- und Währungsunion in Kraft, die für die DDR, neben dem aus für die Ost-Mark, auch den endgültigen Abschied von der Planwirtschaft bedeutet. Doch die Öffnung der DDR-Wirtschaft zum Weltmarkt führt binnen kürzester Zeit zu ihrem Zusammenbruch.

Die Verhandlungen über die Einführung der D-Mark in der DDR beginnen am 7. Februar 1990. Bundeskanzler Helmut Kohl wünscht sich einen zügigen Abschluss der Verhandlungen und eine schnelle Einführung der DM in den ostdeutschen Gebiete. Er hofft, dass sich mit der DM die Lebensbedingungen in der DDR verbessern und damit auch die Abwanderung aus der DDR gestoppt werden kann, da seit dem Fall der Mauer ca. 15.000 Menschen die DDR verlassen haben.

Die Bundesbank warnt jedoch vor einer zu hohen Bewertung der Ostmarkt, die die Stabilität der DM gefährden könnte. Helmut Kohl hingegen ist der Ansicht, dass der Wiederaufbau Ostdeutschlands in einem kurzen Zeitraum zu bewerkstelligen sei. Auf Grundlage einer Prognose wird der deutschen Wirtschaft in den Jahren 1990 und 1991 ein zusätzliches Wachstum vorhergesagt und so sollen genug finanzielle Reserven zur Verfügung stehen, um die Anpassung der Renten und die Modernisierung der Infrastruktur finanzieren zu können. Zudem verfügte die Bundesregierung über die Zusicherung, dass die westdeutsche Wirtschaft auf dem ostdeutschen Markt investieren würde.

Zu den wichtigsten Punkten des Staatsvertrages gehört die Einführung der sozialen Marktwirtschaft und die Umstellung der DDR-Währung auf die DM. Dabei soll die Ostmark bis zu einer bestimmten Obergrenze im Verhältnis 1:1 umgetauscht werden. Es wird daher ein gestaffeltes Umtauschsystem verabschiedet. Das bedeutet, dass Löhne, Gehälter, Stipendien, Mieten, Pachten und Renten sowie andere wiederkehrende Versorgungszahlungen im Verhältnis 1:1 getauscht werden. Der Umtausch von Bargeld und Bankguthaben wird nach Lebensalter gestaffelt: Kinder bis zum 14. Lebensjahr können bis zu 2000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 umtauschen, 15-bis 59-jährige 4000 DDR-Mark und Personen über 60 Jahre 6000 DDR-Mark. Durch den großen  Ansturm auf die Bankfilialen in der DDR werden am Tag der Währungsumstellung 3,4 Milliarden DM abgehoben.

Die neue ostdeutsche Wirtschaft soll durch Privateigentum, freie Preisbildung und die Abschaffung staatlicher Monopole gekennzeichnet sein. Finanziert werden soll die Umstrukturierung durch den Abbau von staatlichen Subventionen. Desweiteren übernimmt die DDR das Sozialsystem Westdeutschlands, die BRD hingegen wird für einen Übergangszeitraum den defizitären Staatshaushalt der DDR ausgleichen, sowie die Zahlungen der ostdeutschen Sozialausgaben übernehmen. Mit Inkrafttreten des Vertrages gibt die DDR ihre Souveränität in Finanzangelegenheiten an die Deutsche Bundesbank ab.

Nach der Einführung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion hingegen kommt es nicht zum gewünschten Wachstum der Wirtschaft. Die DDR-Wirtschaft steht innerhalb kürzester Zeit vor dem Zusammenbruch, was einen ernormen Anstieg der Arbeitslosigkeit führt. Da in der DDR Grunddaten und Statistiken bewusst gefälscht worden sind, ist zudem in weiten Teilen der Bevölkerung ein unrealistisches Bild der ostdeutschen Wirtschaft gezeichnet worden. Die DDR-Betriebe selbst verfügen über keine wettbewerbsfähigen Produkte und ihre Maschinen sind meist überaltert. Zwar steigt der Konsum in den ostdeutschen Gebieten, es besteht allerdings eine große Nachfrage nach westdeutschen Produkten, was zur Folge hat, dass immer mehr Ostprodukte aus den Regalen verschwinden.

Larissa Kalthoff

 

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