Radiovorschau vom 6. bis 13. Juni 2010

Von Punkbands und Zeitungsdieben

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Radiovorschau vom 6. bis zum 13. Juni

Am Freitag steht der Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen Zeitung" Sergej Lochthofen im Mittelpunkt. Er hat der SED eine Bezirkszeitung "geklaut" und damit Geschichte geschrieben. Am Samstag erzählt MDR Figaro von der Punkband Feeling B und ihren Mitgliedern Aljoscha Rampe, Paul Landers und Christian Feeling, die in den 1980er Jahren Bestandteil der Ostberliner Alternativszene waren.

Sonntag, 06. Juni 2010

So, 06.06.10, 7.05 Uhr, WDR 5
Titel: Das Tor zur Freiheit, Adolf Brüggemann, Militärattaché in der Prager Botschaft 1989
Form: Dokumentation

Adolf Brüggemann, heute 75 Jahre alt, war als Militärattaché in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag, als immer mehr DDR-Bürger dort Zuflucht suchten, um ihre Ausreise in den Westen zu erreichen. Brüggemann war beauftragt, die Versorgung der DDR-Flüchtlinge zu organisieren. Er erlebte den Auftritt von Bundesaußenminister Genscher am 30. September 1989 mit, und er begleitete einen der Züge mit den Ausreisenden über die DDR ins bayerische Hof. Brüggemann berichtet bei aller heutigen historischen Euphorie, dass es ursprünglich eine Weisung des Auswärtigen Amtes gab, DDR-Flüchtlinge nicht in der Botschaft aufzunehmen, sondern ihnen anzuraten, in die DDR zurückzukehren. Und dass der Honecker-Vertraute, Anwalt Vogel, von der Bundesregierung zweimal in die Botschaft gebeten wurde, um die Flüchtlinge zur Rückkehr in die DDR zu bewegen.

Wiederholung, So. 06.06.10, 19.05 Uhr WDR 5
 
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So, 06.06.10, 18 Uhr, MDR FIGARO
Titel: Zur Verleihung des "Hörspielpreises der Kriegsblinden 2010" am 7. Juni:
"Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle".
Form: Hörspiel

"Ein stabiles und absolut wetterfestes Stahlschiebedach empfehlen wir solchen Kunden, die neben den Annehmlichkeiten, die ein Cabriolet bietet, die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle nicht missen möchten." Das Auto, das mit solchem Prospekt-Charme angepriesen wurde, brauchte eigentlich keine Reklame, denn es war in der geschlossenen Gesellschaft der Fahrgastzelle DDR ebenso hochbegehrt wie langerwartet: der "Wartburg 353".

Und es war eben dieses Symbol der Mangelgesellschaft, das in den Abendstunden des 9. November 1989 Geschichte schrieb - oder zumindest dabei behilflich war. Das war, nachdem die Magdeburger Ärztin Dr. Annemarie Reffert und ihre damals fünfzehnjährige Tochter Juliane in den "heute"-Nachrichten des ZDF die Meldung des Tages erfahren hatten: "dass von sofort an DDR-Bürger direkt über alle Grenzübergänge zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland ausreisen dürfen."

Als wenige Minuten später die "Aktuelle Kamera" das Unglaubliche bestätigt hatte, beschlossen Annemarie und Juliane Reffert, etwas zu wagen, was diesem Herbst und ihrer aller Aufwachen aus Ohnmacht und Lethargie den Punkt auf's i setzen musste: Sie stiegen in ihren "Wartburg" und fuhren die knapp sechzig Kilometer zur Autobahn-Grenzübergangstelle Marienborn-Helmstedt. Nicht, dass sie dort im Westen etwas vorgehabt hätten oder dort bleiben wollten. Worum es ihnen ging, war "nur" die Probe aufs Exempel. Wenn die Staatsgrenze West – als "Mauer" der Inbegriff aller staatlichen Repression – auf einmal ihre jahrzehntelange Undurchdringlichkeit eingebüßt haben sollte, dann wollten sie sich am eigenem Leibe davon überzeugen.

Nicht mit von der Partie bei dieser kurz entschlossenen "Wartburg"-Fahrt über die Bühne der Weltgeschichte war Annemarie Refferts Sohn Thilo. Statt den ultimativen Augenblick der Befreiung mitzuerleben, steckte er in der Kaserne, wusste von nichts.

Ganz abfinden damit kann er sich noch nach zwanzig Jahre nicht. Etwas wie eine stets unerfüllte Sehnsucht treibt ihn um: in irgendeiner Form nachzuholen, was er damals verpasst hat. Könnte man nicht diesen unwiderruflich vergangenen Moment noch einmal so gründlich und genau, so handgreiflich aus der Erinnerung holen, dass man wenigsten im Nachhinein doch noch "dabei gewesen" ist?

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Dienstag, 08.Juni 2010

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Di, 08.06.10, 19.04 Uhr, Kulturradio
Titel: "Von der harten Liebe zu den Kadern"

Die DDR-Juristin Hilde Benjamin
Von Sylvia Conradt

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Mittwoch, 09. Juni 2010

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Mi, 09.06.2010, 14.55 Uhr, SWR2
Titel: SWR Buchkritik, Bernd Stöver: Zuflucht DDR.Spione und andere Übersiedler.

Gut eine halbe Million Menschen siedelten zu Mauer-Zeiten aus dem Westen in die DDR über. Neun dieser Biographien nimmt nun der Historiker Bernd Stöver in seinem Buch unter die Lupe. Der Titel: "Zuflucht DDR. Spione und andere Übersiedler".

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Freitag, 11.Juni 2010

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Fr, 11.06.10, 12.05 Uhr, hr2 Kultur
Titel:  Am Tisch mit Sergej Lochthofen, "Zeitungsdieb", Gastgeber: Florian Schwinn
Form: Diskussion, Gespräch


Er hat der SED eine Bezirkszeitung "geklaut" und damit Geschichte geschrieben. Den deutschen "Russen" Sergej Lochthofen setzten seine Kolleginnen und Kollegen an die Spitze ihrer Redaktion, als sie sich für unabhängig erklärten – damals vor 20 Jahren, in der DDR der Wendezeit. Die Erfurter Tageszeitung "Das Volk" nannte sich um in "Thüringer Allgemeine" und wurde von ihrem gewählten Chefredakteur Lochthofen zur erfolgreichsten Regionalzeitung im Osten Deutschlands gemacht. Auch wirtschaftlich hielt der Erfolg durch alle Krisen an; dennoch wurde Ende 2009 der populäre und inzwischen bundesweit bekannte Chefredakteur im Osten vom westlichen Zeitungsriesen WAZ vor die Türe gesetzt. Es war ein weithin hörbarer Eklat, den Sergej Lochthofen deutlich kommentierte. Als auch noch seine Frau - die ebenfalls gewählte stellvertretende Chefredakteurin entlassen werden sollte, sprach er von "Sippenhaft" wie bei den Nazis und unter Stalin. Sergej Lochthofen weiß, wovon er spricht. Sein Vater ist vor den Nazis in die Sowjetunion geflohen und hat seine Frau dort im Verbannungslager des stalinistischen Gulag kennengelernt. Sergej Lochthofen ist in Russland geboren und dann als Sowjetbürger in der DDR groß geworden. Aus seiner verwickelten Familiengeschichte hat er persönliche Konsequenzen gezogen: Er war nie in einer Partei und hat seine Redaktion auf absolute Unabhängigkeit von aller Politik getrimmt. Eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Medienlandschaft.

Wiederholung, Fr. 11.06.10, 23.05 Uhr, hr2 Kulur

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Samstag, 12.Juni 2010

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Sa, 12.06.10, 09.05, MDR FIGARO
Titel:20 Jahre Deutsche Einheit: "Tod eines Punksängers" oder: Rammstein contra
Feeling B
Form: Feature, Reportage

Das Feature widmet sich einer kurzen Zeitspanne, in der ganz Ostdeutschland verrückt spielte und der Prenzlauer Berg zur kulturellen Ideen- und Projektschmiede avancierte. Erzählt wird die Geschichte von Aljoscha Rompe, der in der Ostberliner Alternativszene der 1980er Jahre als außergewöhnlicher Mobilisierungsfaktor stadtbekannt war.

Geboren wurde er am 20. Oktober 1947 in Berlin-Pankow. Rompes Mutter, eine Schweizer Kommunistin, war mit seinem Großvater in die Sowjetische Besatzungszone gekommen, um beim Aufbau des Sozialismus zu helfen. 1980 holte sich Aljoscha den ihm zustehenden Schweizer Pass und genoss hinfort das komfortable Doppelleben eines Weltbürgers und DDR-Bohemiens. Mit Paul Landers und Christian Flake Lorenz gründete er 1983 die genial-dilettantische Punk-Combo Feeling B. Nach zehn fröhlichen Party- und Hausbesetzerjahren sprengten Paul und Flake das Trio und eroberten mit Rammstein die Welt-Arenen. Den Tod Aljoschas im November 2000 haben gute Freunde als Spätfolge einer Kohlenmonoxydvergiftung bewertet: Um den letzten Mieter eines ehedem besetzten Hauses im Stadtbezirk Prenzlauer Berg loszuwerden, soll der Besitzer das Zukleben des Schornsteins angeordnet haben.

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