Fernsehvorschau vom 25. bis 30. Mai 2010

Die Silberkugel der Superlative und das große Ost-West-Fußballduell

Fernsehvorschau 25. Mai bis 30. Mai 2010

Fernsehvorschau vom 25. Mai bis 5. Juni 2010

Am Dienstag zeigt der MDR eine Dokumentation über die DDR als Seefahrernation und die in der Regel unerfüllbaren Sehnsüchte, die dieser Status in der Bevölkerung auslöste.



Dienstag, den 25. Mai 2010

***

Di, 25.05.10, 22.05 Uhr,MDR
Titel: DDR ahoi!(1/2), Kleines Land auf großer Fahrt
Form: Dokumentation

Matrose ist in der DDR ein begehrter Beruf. Man verdient gut und kommt in der Welt herum, während die Mehrzahl der DDR-Bürger nur mit dem Finger über den Globus fahren darf.
Die Schiffe am Ostseehorizont wecken im begrenzten Land Träume und Sehnsüchte. Für die DDR sind die Voraussetzungen, eine Seefahrernation zu werden, denkbar ungünstig. Am Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es auf dem Territorium der sowjetischen Besatzungszone kein einziges fahrtüchtiges Schiff. Die Hafenanlagen von Rostock, Stralsund, Wismar und Saßnitz sind größtenteils zerstört. Was noch funktioniert, wird als Reparationsleistung von der Sowjetunion abgefordert.
Trotz der katastrophalen Ausgangsbedingungen beschließt die DDR-Führung, den Ostseezugang wirtschaftlich zu nutzen und eine Fischerei- und Handelsflotte aufzubauen. In den 60er Jahren entsteht in Rostock ein neuer Überseehafen, die ganze Republik wird für das Projekt mobilisiert. Ein eigener Hafen spart Devisen und verbessert die Bedingungen für den Außenhandel. So gelingt es der DDR, in den kommenden Jahren, eine beachtliche Handelsflotte aufzubauen und mit großen Trawlern auf den Weltmeeren zu fischen. Sogar zwei "Traumschiffe" leistet sich der Arbeiter-und-Bauern-Staat. Die DDR hat die Weltmeere erobert. In den 80er Jahren gehören fast 180 Schiffe zur Handelsflotte, dazu kommen noch über 100 Fischereischiffe. 10.000 Mann Besatzung fahren jetzt zur See. Im Fernsehen werden maritime Unterhaltungssendungen präsentiert.
Den Daheimgebliebenen verschweigt man jedoch, dass die "Traumschiffe der DDR" auch regelmäßig an westliche Reiseveranstalter vermietet werden, dass sich auf großer Fahrt immer wieder Fluchtversuche ereignen, dass die Fischfangergebnisse schon Ende der 70er Jahre schlechter werden und die strahlende DDR-Flotte immer mehr an Glanz verliert. Vom Aufstieg und Niedergang der DDR als Seefahrernation erzählt die zweiteilige Dokumentation "DDR ahoi!".

Wiederholung: 26.05, 12.30 MDR 12.30 Uhr / 30.05. 13.00 Uhr, NDR

***


Di, 25.05.10, 23.00 Uhr, ZDF Info
Titel: blickpunkt – Die Reportage: Das rote Reservat – Indianerkult in der DDR
Form: Reportage

Erst waren sie nur ein Kuriosum, dann gerieten sie ins Visier der Staatssicherheit. Die Indianervereine in der DDR hatten mehrere Tausend Mitglieder, die in exotischen Kostümen und selbstgebauten Tipis ihre Freizeit verbrachten. In keinem anderen Land war die Begeisterung für Indianer so groß – ein Hauch von Freiheit und Wildem Westen, der bis tief nach Sachsen und Thüringen wehte, aber von den Machthabern stets misstrauisch beäugt wurde.
Die Ost-Indianer waren einfallsreich: Indem sie die Indianer zu den ersten Opfern des US-Imperialismus erklärten, fanden sie eine offiziell anerkannte Legitimation für ihr ungewöhnliches Hobby. Allerdings blieb der Staat den "Roten" gegenüber skeptisch. Viele Stämme wurden von der Stasi überwacht – und so mancher Häuptling war als IM tätig.
Er war mit Schuld an der Indianerverrücktheit in der DDR: Gojko Mitic. Die DEFA drehte in den 60er und 70er Jahren Indianerfilme mit dem attraktiven Serben in der Hauptrolle. Ob als Chingachgook, Osceola oder Tecumseh, er begeisterte die Leute und war die Antwort des Ostens auf Pierre Brice. Gojko wurde als eine Art Nationalheld gefeiert mit Vorbildfunktion und Sex-Appeal. Durch diese Heldenverehrung war es für viele nur ein kleiner Schritt, selbst in Mokassins zu steigen und Indianer im Arbeiter- und Bauernstaat zu werden.
Doch die Geschichte der ostdeutschen Indianer endete nicht mit dem Untergang des real existierenden Sozialismus. Für einige von ihnen ging nach der Wende endlich ein lang gehegter Traum in Erfüllung: mit den Blutsbrüdern in den USA die Friedenspfeife zu rauchen. Und selbst wenn romantische Vorstellungen der dortigen Realität nicht standhielten und so mancher enttäuscht zurückkehrte, hat das der Bewegung keine Abbrüche getan. Zumindest in Ostdeutschland ist die Indianderkultur nicht vom Aussterben bedroht.

***

Di, 25.05.10, 01.05 Uhr, ZDF Info
Titel: Der Weg zur Einheit
Form: Reportage

"Das tritt nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich." – Mit diesen Worten zum neuen Reisegesetz der DDR stieß SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski bei der inzwischen legendären Pressekonferenz am 9. November 1989 einen Prozess an, der die kühnsten Erwartungen übertraf: Grenzöffnung, Mauerfall und elf Monate später, am 3. Oktober 1990, schließlich die Wiedervereinigung Deutschlands.

Nach der Massenflucht von DDR-Bürgern im Sommer 1989, den Bürgerprotesten im Herbst und dem Fall der Berliner Mauer hatten sich schlagartig die Möglichkeiten zur Wiedervereinigung verändert. Doch zur Auflösung des Status quo der beiden deutschen Staaten war mehr nötig als eine friedliche Revolution: die Bereitschaft der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, den Weg für die Wiedervereinigung Deutschlands frei zu machen. Die symbolträchtige Öffnung des Brandenburger Tores im Dezember 1989, die Stürmung der Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße im Januar 1990, die ersten und einzigen freien Volkskammerwahlen im März, die Währungsunion im Juli und schließlich die Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrages im September 1990 – das sind die wichtigsten Wegmarken zur Wiedervereinigung. "Der Weg zur Einheit" zeigt sie.

Wiederholung, Sa.29.05, 23.30 Uhr, ZDF Info / Mi, 02.06, 01.30 Uhr, ZDF Info

***

Donnerstag, den 27.Mai 2010

***

Do,27.05.10, arte
Titel: Die großen Sportduelle Fußball: Deutschland: Ost gegen West
Form: Dokumentation

Die in den verschiedenen Fußballweltmeisterschaften errungenen Triumphe erscheinen wie Meilensteine der jüngeren deutschen Geschichte. Der Sieg von 1954 markierte die Rückkehr Deutschlands in die Gemeinschaft der Völker. 1974 waren Ost- und Westdeutschland genau 25 Jahre durch den Kalten Krieg geteilt. Der Sieg 1990 in Italien erfolgte unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer, und 2006 richtete ein wiedervereinigtes, entspanntes Deutschland die Weltmeisterschaft aus.

Am 22. Juni 1974 begegneten sich in Hamburg die beiden deutschen Fußballteams in einem Vorrundenspiel. Beide waren bereits für die zweite Runde qualifiziert, aber dieses Spiel hatte eine besondere politische und psychologische Tragweite. Vor 2.000 ostdeutschen Fans, die von der DDR eigens ausgewählt und zu diesem Anlass in den Westen gelassen worden waren, schoss Sparwasser das entscheidende Tor für sein Land. Entgegen allen Erwartungen verlor das westdeutsche Team mit seinen Starspielern, dem Libero Franz Beckenbauer, Gerd Müller als Mittelstürmer und Sepp Maier im Tor das Spiel. Diese Niederlage ersparte der BRD schwierige Begegnungen in der zweiten Runde; so mussten sich die "ostdeutschen Brüder" mit Holländern, Brasilianern und Argentiniern messen. Vielleicht haben die geschlagenen Westdeutschen genau an jenem Tag die zehnte Fußball-WM gewonnen.

***
Freitag, den 28.Mai 2010

***

Fr, 28.05.10,09.40 Uhr, ZDF Neo
Titel: Silberkugel der Superlative – Der Berliner Fernsehturm
Form: Dokumentation

Nur 40 Sekunden dauert es, um den Besucherfahrstuhl zur Aussichtsplattform in 203 Meter Höhe zu katapultieren. Der digitale Höhenanzeiger rast dahin, in den Ohren knackt es, und manch einen überfällt ein dumpfes Gefühl bei dem Gedanken, dass unter dem Liftboden ein 200 Meter tiefes Loch gähnt. Ziel ist das Innere der Silberkugel des Berliner Fernsehturms am Alexanderplatz, in Konkurrenz mit dem Brandenburger Tor das über der Stadt leuchtende Wahrzeichen Berlins und mit seinen 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands.

Ein Gigant mitten in Berlin, der ohne den Kalten Krieg wahrscheinlich nie entstanden wäre. Der Bau begann Mitte der Sechziger Jahre, als der Wettlauf zwischen Ost und West ständig neue Runden drehte und der Glaube an die Technik keine Grenzen und nur Superlative kannte. Nachdem die Sowjetunion mit ihrem Sputnik den USA den Rang um den Start ins All abgelaufen hatte, wollte auch die DDR für einen Rekord sorgen, ein einschüchterndes Symbol der Baukunst und der Stärke. Am Alexanderplatz, dem Vorzeigeort des neuen Ost Berlins, endeten 1969 die Bauarbeiten für einen ganz Berlin überragenden Turm, dessen silberne Aussichtskugel in der Mitte nicht ohne Grund an den Sputnik-Flug des großen sozialistischen Bruders erinnern sollte. Es gab aber noch andere Gründe: Mit der Teilung der Stadt waren Empfangsfrequenzen für das Fernsehen und den Rundfunk der DDR nur begrenzt verfügbar. Durch den Bau einer so hohen Sendeanlage sollten alle Ost-Berliner sozialistisches Programm empfangen können – und der medialen Republikflucht ins "West-Fernsehen" entsagen.

Nach dem Ende der DDR gab es Überlegungen, den Fernsehturm einzureißen. Doch schnell war klar, dass man auf diese Weise ein besonderes Monument der Nachkriegsgeschichte und der Baukunst beseitigt hätte. Über eine Million Besucher jährlich sind der Beweis für die Attraktivität des "Telespargels" oder von "Ulbrichts Renommierstängel" oder des mit vielen anderen Bezeichnungen benannten Bauwerks. Nirgendwo ist der Ausblick über Berlin so grandios wie hier: Zu Füßen die Spree, die sich als glitzerndes Band durch das Zentrum schlängelt, der Reichstag und das Brandenburger Tor. Von hier aus kann man auch die Marienkirche sehen, neben dem Roten Rathaus letztes Zeugnis des historischen Zentrums von Berlin am Alexanderplatz. Alles andere wurde im Krieg zerstört oder musste der DDR-Stadtplanung weichen. Vielen Berlinern ist der Fernsehturm eine Mahnung und zwar genau dann, wenn die Sonne ein riesiges glitzerndes Kreuz auf die Kugel zeichnet: "Die Rache der Marienkirche" oder auch "Sankt Walter" nannten sie deshalb auch das Wahrzeichen am Alexanderplatz. Wegen dieses nicht geplanten Effekts der Erbauer soll es übrigens Überlegungen gegeben haben, die Lichtbrechung zu beseitigen. Eine solche Planung ist nicht mit Sicherheit belegt, sie gehört einfach zu den vielen Geschichten und Mythen, die den Berliner Fernsehturm umranken – wie jene, die auch die Entscheidung des Standortes betrifft: Parteichef und selbsternannter Stadtplaner Berlins Walter Ulbricht soll mit einem Fingerzeig auf ein Modell des Alexanderplatzes seinen Genossen klare Vorgaben gemacht haben – mit den überlieferten Worten: "Nu, Genossen, da sieht man's ganz genau. Da gehört er hin."

***

Samstag, den 29.Mai 2010

***

Sa, 29.05.10,14.30 Uhr, arte
Titel: Ich wollte nicht töten
Form: Spielfilm

Der Zusammenbruch der DDR liegt 17 Jahre zurück. Und noch immer lagern Akten über die Vergangenheit bei den Behörden oder versteckt zu Hause in geheimen Schubladen – falls sie nicht gefunden werden. Die erfolgreiche Journalistin Meike Marndorfer ist völlig ahnungslos, als sie anfängt, auf eigene Faust zu recherchieren. Eine Informantin namens Lena will unbedingt mit ihr sprechen. Kurz bevor es dazu kommt, wird Lena jedoch von einem Auto überfahren. Ein Zufall? Und wer war diese Fremde?

Meikes Nachforschungen führen sie tief in die ostdeutsche Provinz. Sie kontaktiert Lenas Umfeld und gewinnt in deren Freund Robert einen Vertrauten. Er unterstützt sie in den Recherchen und es wird immer deutlicher, dass Lena Meikes Leben ausgekundschaftet hat. Meike verliert Stück für Stück ihre professionelle Distanz. Die Sache wird unheimlich. In ihrem Gedächtnis tauchen Erinnerungen auf. Obwohl Lenas Vater versucht, Meike mit Fehlinformationen in die Irre zu leiten, wird immer deutlicher, dass die Biografien der beiden Frauen zusammenhängen. Meike muss ihre eigenen Eltern in die Spurensuche einbeziehen, nach einer möglichen Stasivergangenheit fragen und wird immer mehr von Misstrauen erfasst. Sie steht vor einer Mauer des Schweigens.

Nun muss sie entscheiden, ob sie mit Robert allein weiter sucht, ob sie die Wahrheit wirklich wissen will, oder ob es sich mit einer großen Lüge nicht besser weiterleben lässt. Am Ende ist ihr Leben in den Grundfesten erschüttert.

***

Zurück

Highlights

Titelbild
Titelbild
Titelbild
left
1
right
"Wir waren auf jeden Fall ...mehr

Dossier

Dossiers zu unseren Schwerpunktthemen wie Ausblick, Alltag, Film, Wenderomane und und und ... mehr
Im Archiv der Auseinandersetzung finden Sie… mehr mehr

Partner:
 

Bundesstiftung AufarbeitungDie Bundesbeauftragte für die Unterlagen deStaatssicherheitsdienstes der ehemaligen DeutschenDemokratischen RepublikFreistaat Sachsen

 

Weitere Kooperationen:
 

Zentrum für zeithistorische Forschung PotsdamHumanities, Sozial- und Kulturgeschichte