Radiovorschau vom 11. bis zum 14. September

Mauerfall in Marienborn, ostdeutsche Komponisten und sächsische Redefreiheit

Radiovorschau vom 11. bis zum 14. September

Radiovorschau vom 11. September bis zum 14. September

Am Wochenende gibt es einiges zu hören: MDR Figaro erinnert am Freitagabend mit einem Feature an die Grenzöffnung in Marienborn. Der Deutschlandfunk widmet sich am Sonntagnachmittag den Erfahrungen ostdeutscher Komponisten mit der deutschen Einheit. Am Sonntagabend sendet MDR Figaro Radiodokumente von 1990, als Bürgerinnen und Bürger das Mikrophon überlassen wurde, um dem freien Wort Raum zu geben.

Fr, 11.09.2009, 19.05 Uhr, Nordwestradio
Titel: Gesprächszeit

Form: Gespräch

Länge: 55 Minuten

Die Autorin Irina Liebmann im Gespräch mit Barbara Dobrick

Geboren 1943 in Moskau, aufgewachsen in der DDR, 1988 von Ost- nach West-Berlin gezogen – diese biografischen Daten zeigen bereits, wie stark Irina Liebmanns Lebensweg von der Geschichte des letzten Jahrhunderts geprägt wurde.
Irina Liebmann ist die Tochter einer russischen Germanistin und eines deutschen Vaters, der als Jude und Kommunist den Krieg in der Sowjetunion überlebte. 1945 übersiedelte die Familie nach Ost-Berlin.
In ihrem jüngsten Buch mit dem Titel "Wäre es schön? Es wäre schön! Mein Vater Rudolf Herrnstadt" – dafür erhielt sie den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 – setzt Irina Liebmann sich mit der Geschichte ihres Vaters auseinander. In der DDR wurde der Chefredakteur des "Neuen Deutschland" für die Arbeiteraufstände vom 17. Juni mitverantwortlich gemacht, aus der SED ausgeschlossen und in die Provinz verbannt.
Irina Liebmann studierte Sinologie und Kulturwissenschaften. Seit 1975 ist sie freie Autorin. Sie hat vor allem belletristische und dramatische Arbeiten vorgelegt, aber auch etliche Hörspiele geschrieben. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Aspekte-Literaturpreis und dem Berliner Literaturpreis.

Produktion: Radio Bremen 2008

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Sa, 12.09.2009, 09.05 Uhr, MDR FIGARO und Kulturradio
Titel: Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle – Der Mauerfall von Marienborn

Form: Feature

Länge: 30 Minuten

URSENDUNG

Annemarie sieht am 9. November 1989 die Abendnachrichten. Es sind die Nachrichten, die an diesem Abend ganz Deutschland bewegen. Aber nicht ganz Deutschland bewegt sich. Annemarie jedoch, 46 Jahre alt, Narkoseärztin im Krankenhaus Vogelsang, tauscht ihren Bereitschaftsdienst und fährt zusammen mit ihrer Tochter Juliane, 16, los. Ihr Mann bleibt zu Hause. Annemarie und ihre Tochter fahren über die Autobahn zum Grenzübergang Marienborn. Nach einigen Diskussionen mit verschiedenen Grenzern dürfen Annemarie und ihre Tochter passieren, es ist 21:15 Uhr – sie sind damit die ersten Ostdeutschen, die nach der neuen Schabowski-Regel aus der DDR ausreisen. Und sie sind auch die ersten, die wieder einreisen. Denn in Helmstedt sind, wie immer um halb zehn abends, die Bürgersteige hochgeklappt. Erst als die beiden längst wieder zu Hause sind, geht auch an der Grenze bei Marienborn der "Wahnsinn" los. Berichtet aber wird in dieser Nacht vor allem aus Berlin, es sind diese Bilder, die bis heute unsere Vorstellungen vom 9. November prägen.
Von Vogelsang bis zum Grenzübergang sind es 60 km. Annemarie fuhr damals mit einem Wartburg 353 W. Die Fahrt dauerte etwas über eine Stunde.
Im Frühsommer 2009 sind Annemarie und Juliane noch einmal unterwegs von Vogelsang nach Marienborn. Wieder sitzen sie in einem Wartburg, doch diesmal steuert ihn ein Magdeburger Taxiunternehmer. Der Wartburg ist nun ein Oldtimer – und die beiden Frauen sitzen im Fond und erinnern sich. Fast alles hat sich verändert, nur die Fahrtzeit ist noch dieselbe.
Wenn von der Grenzöffnung an jenem Donnerstagabend die Rede ist, spricht man von einer "Ventillösung". Die Grenze hätte sich demnach unter dem Druck der Massen geöffnet, zuerst am Ventil Bornholmer Straße. Aber über die Autobahn bei Marienborn kam an diesem Abend ein einzelner Wartburg mit einer Frau und einem Mädchen auf die Grenzer zu. Hier gab es kein Ventil zu öffnen, dennoch kollabierte das ganze System. Das Hörstück verfolgt die Spuren dieser unauffälligen Fahrt durch den Eisernen Vorhang.

von Thilo Reffert

Regie: Stefan Kanis

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So, 13.09.2009, 15.05 Uhr, Deutschlandfunk

Titel: Beitritte – Ostdeutsche Komponisten erfahren die deutsche Einheit

Form: Doku

Länge: 55 Minuten

Georg Katzer aus Berlin-Zeuthen engagierte sich im '89er-Herbst. Er war Vizepräsident des Deutschen Musikrats; seine Werke werden heute selten gespielt. Bernd Franke aus Weißenfels war 1989 in Tanglewood bei Leonard Bernstein, seitdem ist er international gut vernetzt. Thomas Heyn aus Leipzig übernahm seinerzeit den Verlag Neue Musik in Berlin. In den 80er Jahren komponierte er Opern, heute schreibt er Chansons. Der Beitritt zur Bundesrepublik vor knapp 20 Jahren barg für Komponisten der ehemaligen DDR manche Herausforderung. Für Jüngere eröffneten sich Entwicklungsspielräume, für alle stand die Aufgabe an, in eine andere Gesellschaft hineinzuwachsen, sich in dieser zu orientieren und zu behaupten. Frank Kämpfers Feature bündelt Rückblicke, Zukunftsvisionen und Lebensgeschichten mehrerer ostdeutscher Künstler.

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So, 13.09.2009, 16.05 Uhr, Bayern 2 und Bayern 2 plus
Titel: Eins zu Eins. Der Talk

Form: Gespräch

Länge: 55 Minuten

Sybille Giel im Gespräch mit Michael Schetelich, Kulturmanager mit Ost-Vergangenheit

Als Podcast verfügbar

In der DDR aufgewachsen, erlebte er die Wende hautnah und ging damals im Herbst 1989 in Leipzig mit auf die Straße. Nach beruflichen Stationen in Düsseldorf, Wien und Stuttgart lebt er heute in Berlin. Eigentlich gelernter Schuhmacher, arbeitet der 41-jährige Dramaturg heute als Kultur- und Künstlermanager.
Michael Schetelichs Vater war Professor für Orgel, sein Großvater hatte eine Orgelbaufirma. Doch vermutlich, weil er als 14-Jähriger nicht an den paramilitärischen Übungen in der Schule teilgenommen hatte, wurde er nicht zum Abitur zugelassen und konnte nicht in die Fußstapfen seiner Väter treten. Aufgewachsen in einem, wie er sagt, "aufgeklärten Haushalt" in der DDR war die Berufswahl durch die Steine, die ihm immer wieder in den Weg gelegt wurden, eingeschränkt. Ziemlich unfreiwillig absolvierte er eine Schuhmacher-Lehre.
Doch seinen Traum ließ er nicht los, besuchte nebenbei die Abendschule und holte das Abitur nach. Jahrelang ließ man ihn auf einen Studienplatz warten. Mit einem Angebot von der Oper Leipzig begann mehr oder weniger zufällig seine Karriere im Kultur- und Musikgeschäft. Die führte ihn u.a. nach London, an die Kammersymphonie Berlin, an die Staatsoper Stuttgart und zum Radio-Symphonieorchester nach Wien.
Die Wende in seinem Leben war die "Wende" Deutschlands. Damals arbeitete und lebte er in Leipzig, ging mit auf die Straße, demonstrierte für einen Wandel. Er sagt, damals hätten alle Angst gehabt, dass Demonstranten zu Tode kommen würden, doch abschrecken ließen sie nicht. In "Eins zu Eins. Der Talk" mit Sybille Giel auf Bayern 2 spricht er darüber, wie er das Ende der DDR miterlebte und warum er erst im Dezember 1989 zum ersten Mal nach Westdeutschland reiste. Ein tiefgehendes Gespräch darüber, wie sein Leben aus den Fugen geriet, als sein Vater starb und er sich als 17-Jähriger mit um seine kleine Schwester kümmern musste. Und er erzählt, wie es war, als Sohn einer Indologin und eines Orgelbauers aufzuwachsen.

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So, 13.09.2009, 19.05 - 19.30 Uhr, MDR FIGARO
Titel: Liebes Volk! – Der Rednerwettbewerb von Sachsenradio

Form: Essay

Länge: 25 Minuten

Wir waren das Volk! – MDR FIGARO erinnert an die Friedliche Revolution

Sabine Bauereiß, Dresden und Daniela Barsch, aufgenommen von Gerhard Rentzsch und Tina Murzik-Kaufmann

1990 begann bei Sachsenradio ein Rednerwettbewerb. Hörerinnen und Hörer bekamen Sendezeit eingeräumt, um frei am Mikrofon ihre Gedanken zu äußern und ihre Meinungen zu formulieren. Es entstand eine Art "Speakers Corner" im Radio. Aus heutiger Sicht sind die Beiträge der Sendereihe historische Dokumente: Sie belegen, wie Menschen aus der Sprachlosigkeit fanden. Die Reden erzählen ganz unmittelbar über die Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen nach dem Ende der DDR. Zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution hören die Redner noch einmal ihre Worte von damals und reflektieren, wie sich ihr Leben oder ihr Redethema weiterentwickelten.
In dieser Folge hören Sie Sabine Bauereiß und Daniela Barsch aus Dresden. Die beiden waren damals Abiturientinnen und träumten von einer Reise nach Rom. Sie wollten endlich die Stadt in natura sehen, die sie nur aus dem Unterrichtsfach Latein kannten. Was ist aus dieser Reise geworden?

von Tina Murzik-Kaufmann

Regie: Tobias Barth

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"Wir waren auf jeden Fall ...mehr

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