"Keine Gewalt"

Eine Ausstellung im Einkaufszentrum

"Keine Gewalt"

Ausstellung "Keine Gewalt" in den Schönhauser Alle Arcaden

In Berlin erinnert seit Freitag die Ausstellung "Keine Gewalt" anschaulich an Gandhi, Bergpredigt, Mahnwachen und Friedliche Revolution - mitten im Shoppingcenter.

Die Austellung "Keine Gewalt -  20 Jahre Friedliche Revolution 1989" des Ökumenischen Arbeitskreises Prenzlauer Berg eröffnete am 10. Juli mit Gesang und Prominenz. Es wurden Friedenslieder in russisch und deutsch gesungen und der Pfarrer und Bundestagsabgeordnete Markus Meckel, welcher seinerzeit die Gründung der SDP (Vorgänger SPD) in der DDR initiierte, hielt eine Rede zu Gewaltlosigkeit, Kirche und der Friedlichen Revolution 1989. Er wandte sich gegen die Ansicht, dass die DDR-Oppositionellen unter dem Schutzmantel der Kirche agiert hätten. Vielmehr sei eine starke oppositionelle Strömung von der Kirche selbst ausgegangen – mit der Friedensbewegung, die sich gegen den aufrüstenden Staat stellte.

Die Ausstellung will in zwei Teilen das Thema "Kirche und Friedliche Revolution 1989" mit dem allgemeinen Thema "Der Weg der Gewaltlosigkeit" verbinden.
Der erste Teil stellt den regionalen Bezug, die Ereignisse rund um die
Gethsemanekirche in den Mittelpunkt und ist sehr gelungen. Es gibt klassische Bild- und Informationstafeln, aber auch einige augenfälligere Ausstellungsstücke, die auch die Aufmerksamkeit des zufällig beim Shopping vorbeikommenden Publikums auf sich ziehen. So stehen recht weit vorne z.B. zwei Schaufensterpuppen im Raum, von denen eine eine NVA-Uniform trägt, die andere Jeans und einen Parker mit dem Aufnäher der DDR - Friedensbewegung "Waffen zu Flugscharen". Die dazugehörige Tafel erklärt, wie diskriminierend die Reaktionen von Staatsseite auf diese einfachen Aufnäher waren.

 

 

Ein Altar mit vielen Kerzen und ein nachgeahmtes provisorisches Nachtlager neben Kirchenbänken zeigen die Atmosphäre der Mahnwachen und friedlichen Protestaktionen anschaulich. Hier bleibt schon der eine oder andere Besucher mit Einkaufstüten stehen, um sich auf den dazugehörigen Tafeln einmal anzusehen, warum hier 1980er-Jahre-Matratzen und halbabgebrannte Kerzen stehen. Auch durch Audio- und Videopräsentationen mit Aufnahmen von den damaligen Andachten und Protestaktionen kann man sich weiter informieren. Von den brutalen polizeilichen Übergriffen und Verhaftungen nach den Demonstrationen am 7. und 8. Oktober erzählt die Ausstellung mit Dokumenten der Kirche. Der Runde Tisch Prenzlauer Berg und Wahlplakate der ersten freien Wahl wurden nicht vergessen. Insgesamt eine gut zusammengestellte Auswahl an Ausstellungsstücken, die ein breites Publikum an die Friedliche Revolution 1989 erinnern können.

 

 

Der zweite Teil der Ausstellung, der die Bergpredigt, Gandhi und Martin Luther King in einem Zusammenhang des gewaltlosen Widerstandes zeigen will, ist angekündigt, begegnet dem Besucher, der im Erdgeschoss die Exponate der Friedlichen Revolution 89 bis zu Ende läuft, jedoch vorläufig nicht. Er ist im Untergeschoss zu finden und lässt zwar den schönen Gedanken erkennen, einen großen Bogen zu spannen von den Grundgedanken der Bergpredigt bis hin zu anderen Ländern und Kulturen, in denen gewaltloser Widerstand ausgeübt wurde, ist aber längst nicht so anziehend und überzeugend wie der erste Teil.
Dort zogen konkrete Dinge die Aufmerksamkeit auf die dahinter liegende Geschichte, hier bleibt es bei Bildtafeln und Audiogeräten für das ohnehin interessierte Publikum. Und für ein solches ist die Darstellung dann doch nicht immer differenziert genug (wenn man z.B. die Kritik Friedrich Nietzsches an der Kirche in drei Sätze gepresst und ohne Begründung neben die Bergpredigt schreibt, ist dem philosophisch Gebildeten die Sache doch etwas zu vereinfacht dargestellt). Aber bei einer Ausstellung in einem Shoppingcenter nimmt man es ja dann vielleicht doch nicht gleich übel, wenn sie es nicht schafft höchsten intellektuellen Ansprüchen in jeder Hinsicht gerecht zu werden.
Man merkt den zwei Teilen der Ausstellung an, welcher von beiden für die Initiatoren der Ausstellung mit eigenem Erleben erfüllt ist und welcher ein gedanklicher Ausflug.


Die Ausstellung ist ein Projekt des Ökumenischen Arbeitskreises Prenzlauer Berg (Berlin), in dem evangelische, katholische und freikirchliche Christen zusammenarbeiten, wurde gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und entstand in Kooperation mit den Schönhauser Allee Arcaden, der Robert-Havemann-Gesellschaft, der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord und dem Museumsverbund Pankow.

 

Die Ausstellung ist zu sehen:
wann: 9. bis 18. Juli 2009
täglich außer Sonntag: 10 Uhr bis 21 Uhr
wo: Schönhauser Allee Arcaden

Schönhauser Allee 80, 10 439 Berlin
 

Besprechung von Iris Graeber

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