Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Staatsfeind Umweltaktivist: Am 27. April 1989 werden in der DDR Atomkraftgegner verhaftet

Umweltkatadstrophen in der DDR

Bundesarchiv Bild 183-1989-1127-019, Foto: Rainer Weisflog

Umweltthemen hatten in der DDR politische Sprengkraft. Hier wurden selbst Baumpflanzer von der Stasi bespitzelt.

In Deutschland – Ost- wie West- – gab es seit den 1970er Jahren ein verstärktes Interesse an Umweltfragen.  Anders jedoch als in Westdeutschland, wo es eine starke Anti-Atomkraft-Bewegung gab und sich 1980 die Partei DIE GRÜNEN gründete, hatten Umweltaktivisten in der DDR nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, Protest zu äußern. Nicht nur wer offensichtlich "heiße Eisen" wie die Verschmutzung von Wäldern und Flüssen durch die Industrie der DDR anpackte, kam in Konflikt mit der SED, die die Einheit von Ökologie und Ökonomie propagierte. Selbst Aktivisten der Baumpflanzgruppen, die ab 1979 überall in der Republik Begrünungsaktionen durchführten, gerieten ins Visier des MfS: Weil sie sich selbst organisierten und mit ihrem Engagement (umweltpolitische) Schwächen des Systems aufzeigten.
Verstärkte Aufmerksamkeit erlangte die Umweltbewegung der DDR mit dem Unfall im Kernreaktor von Tschernobyl am 26. April 1986. Die Katastrophe verdeutlichte eine der grundlegendsten Defizite der DDR-Umweltpolitik: Informationen zu Umweltfragen waren für DDR-Bürger stets schwer zugänglich. Über mögliche Gefahren der Atomenergie, Atommülltransporte und die Einhaltung der Strahlenschutzverordnung wurde die DDR-Bevölkerung nie informiert. Auch im Fall des Kernreaktorunglücks erfuhren die DDR-Bürger in erster Linie über die Westpresse, welche Auswirkungen der "Störfall" weltweit hatte, während das Neue Deutschland eine Politik der gezielten Desinformation betrieb.
Mit dem Reaktorunfall entstand auch in der DDR eine Anti-Atomkraft-Bewegung. Forderungen nach der Abschaltung der Atomkraftwerke sowjetischen Fabrikats wurden laut. Die Atom- und Uranindustrie der DDR geriet ebenfalls ins Visier der Umweltaktivisten. Das brisante Thema begleitete die Umweltbewegung auch im Frühjahr 1989. Am 27. April 1989, drei Jahre und einen Tag nach der Tschernobyl-Katastrophe, wurden DDR-Bürgerrechtler verhaftet, weil sie Flugblätter verteilten, die Kritik an der Nutzung von Atomenergie übten. Ihnen wurde die "Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit" vorgeworfen.

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