Dem Zettelfalten ein Ende

Der Aufruf zum Wahlboykott durch DDR-Bürgerrechtler am 24. April 1989 im Westfernsehen

Erich Honecker beim Versuch zu wähl

Bundesarchiv Bild 183-1983-0507-009, Foto: Rainer Mittelstädt

Einheitsliste, Nationale Front und Ergebnisse knapp unter hundert Prozent Zustimmung – so sehen auch 1989 die Wahlen in der DDR aus. Das berüchtigte "Zettelfalten" ist alles andere als geheim, frei und demokratisch. Aber im April 1989 wird der Protest lauter – und er wird öffentlich.

Das ARD-Politmagazin "Kontraste" strahlt am 24. April 1989 einen heimlich gefilmten Boykottaufruf verschiedener Oppositioneller und Bürgerrechtler aus. Der Aufruf im Westfernsehen, das in der DDR flächendeckend gesehen wird, ist eine Sensation.

"Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die sich den innen- und außenpolitischen Herausforderungen stellt, und den Bürgern Mitwirkung auf allen Ebenen gesellschaftlichen Lebens ermöglicht", fordert Werner Fischer in einem der ausgestrahlten Interviews. Dazu gehöre eine funktionierende Demokratie mit geheimen und freien Wahlen sowie unabhängigen Kandidaten.

Neben den Boykottaufrufen der DDR-Bürgerrechtler zeigt der Kontraste-Beitrag ein ernüchterndes Bild der DDR im Jahr vier der Perestroika in der Sowjetunion. Von Reformen keine Spur. Die Wahl ist weiter als bloßes Bekenntnis zur Nationalen Front angelegt. Unabhängige Kandidaten Fehlanzeige, von einer freien und geheimen Wahl ganz zu schweigen.
Als Gegensatz zur deprimierenden Situation in der DDR setzen die Autoren Roland Jahn und Peter Wensierski die neue Lage in der Sowjetunion ins Bild. Dort nutzt der Generalsekretär Michail Gorbatschow demonstrativ die Wahlkabine.

Der Boykottaufruf der Bürgerrechtler im Westfernsehen, unter ihnen auch Bärbel Bohley und Edelbert Richter, rückt die Wahlfarce in ein breiteres öffentliches Bewusstsein. Die später nachgewiesenen Fälschungen der Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 sind der Auftakt der Friedlichen Revolution und der Anfang vom Ende der SED-Herrschaft.

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